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Bodybuilder: "Ich esse jede Woche Fleisch um 150 Euro"

Bodybuilder: "Ich esse jede Woche Fleisch um 150 Euro"Die Presse
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Wolfgang Schober ist Österreichs erfolgreichster Bodybuilding-Veteran ohne Hollywoodkarriere. Ein Gespräch über die brotlose Leidenschaft der österreichischen Muskelmänner.

Die Presse: Sie sind einer der erfolgreichsten Bodybuilder Österreichs. Wie viel ist Ihr Bizeps wert?

Wolfgang Schober: 41 Jahre Training. In Geld umgerechnet wahrscheinlich null, weil mit Bodybuilding in Österreich kein Geld zu verdienen ist.

Andersrum gefragt: Wie viel mussten Sie in Ihren Körper investieren? Etwa für den Muskelaufbau?

Sagen wir so: Es war mir sehr viel wert. In der Woche gebe ich 150 Euro für Hühnerfleisch, Fisch und Putenfleisch aus.

Nur für Sie?

Nur für mich. Ich würde ein Drittel davon ausgeben, wenn ich keinen Wettkampf hätte. Aber essen müsste ich in jedem Fall.

Verdienen Sie mit Ihrem Körper Geld?

In Österreich sind die Möglichkeiten, mit Bodybuilding Geld zu verdienen, gering. Es war aber auch nie mein Anliegen, weil ich einen guten Job habe. Wenn es sich ergibt, werde ich nicht nein sagen.

 

Wie sehr hat Sie die Karriere von Arnold Schwarzenegger beeinflusst? War er ein Vorbild für Sie?

Als ich zwölf war, habe ich im Fernsehen einen jungen Österreicher gesehen, der die US-Bodybuilding-Szene aufmischt. Mir war klar: Das will ich machen. Seine Karriere konnte damals niemand ahnen. Mich hat sein Körper angesprochen. Also habe ich begonnen, Liegestütze und Klappmesser zu machen und zu laufen. Für die Leute war das eine Sensation. Sie haben mir nachgerufen: „Schober, du Trottel!“ Man war damals nur auf dem Fußballplatz oder bei der Feuerwehr.

 

Ist eine Karriere, wie sie Schwarzenegger hingelegt hat, für einen Bodybuilder heute noch möglich?

Arnold Schwarzenegger hat eine einzigartige Karriere gemacht. Zu den Arnold Classics, seinen Wettkämpfen, kommen 175.000 Besucher. Überall, wo er auftaucht, sind tausende Menschen um ihn herum. Der Mann ist ein absoluter Weltstar. Nur die Österreicher begreifen es nicht.

 

Welche Wege stehen einem Bodybuilder heute denn offen, um Geld zu verdienen? Werbeverträge, eine Filmkarriere, ein Fitnesscenter?

Na ja, die goldene Ära der Fitnesscenter war in den Achtzigerjahren. Dieser Hype flaut ein wenig ab. Eine Filmkarriere ist sicher machbar. Dafür muss man natürlich weg aus Österreich. In Deutschland gibt es für Bodybuilder auch Werbeprofi-Verträge. Die Nahrungsmittelergänzungs-Industrie ist dort wirklich groß. In den USA sogar überdimensional. Nur in Österreich gibt es das nicht.

Warum ist das so?

Österreich ist, was manche Sportarten angeht, sehr rückständig.

Ist das der Grund dafür, dass in diesem Bereich kein Österreicher einen Werbevertrag hat?

Ich hatte früher schon einen Werbevertrag. Auch aufgrund meiner Erfolge. Ich war Weltmeister 2011 in der Klasse über 50 Jahre, eben erst habe ich die Arnold Classics in Nordamerika gewonnen. Ich bin der erste Österreicher seit Arnold Schwarzenegger, der einen großen Wettkampf in den USA gewinnt.

Und Preisgeld gibt es dafür nicht?

In unserem Verband (IFBB) sind wir reine Amateure. Wir sind auch der einzige Verband, bei dem Dopingtests durchgeführt werden. Wenn man gewinnt, gibt es einen Pokal und einen warmen Händedruck. Das wars.

Geld verdienen kann man also nur über Werbung. Wie sehen diese Verträge aus?

Ich konnte damals Nahrungsergänzungsmittel bestellen und das war es. Für mich ist das besser, als zusätzlich Geld zu verdienen, sonst müsste ich das erst wieder steuertechnisch lösen. Als Brigadier beim österreichischen Bundesheer bin ich schon in der höchsten Steuerklasse.

 

Wie viel Ihrer Dienstzeit verbringen Sie in der Kraftkammer?

Ich muss laut meinem Dienstvertrag eine Stunde am Tag Sport machen. Die nutze ich in der Kraftkammer. Und am Abend kommt eine Einheit dazu.

Das klingt gar nicht so intensiv.

Sie können sich nicht vorstellen, wie hart eine Stunde sein kann.

Was hat sich aus Ihrer Sicht seit der Blüte der Bodybuilding-Szene in den Achtzigern bis heute verändert?

Die Leute wollen heute zu schnell alles erreichen.

Dafür greifen viele auch zu illegalen Präparaten. Sportler investieren angeblich tausende Euro, nur um schmerzfrei trainieren zu können.

Da machen sie aber wirklich etwas falsch.

 

Kaufen sie die Präparate zu teuer ein?

Erstens ist es eine Illusion, zu glauben, dass es einen Zaubertrank gibt. Auch wenn ich etwas einwerfe, kann ich nicht in wenigen Monaten aufholen, was ich über Jahre hinweg verpasst habe. Und zum Preis müssen Sie wohl einen Dealer fragen. Ich kenne nur illusorische Zahlen, die in die zigtausenden Euro gehen. Das große Geschäft wird nicht mit Profis, sondern mit den Hobbysportlern gemacht. Das hat sich stark geändert seit früher.

 

Haben Sie je gedopt?

Ich wurde zehnmal kontrolliert und war immer negativ. Können Sie beweisen, dass Sie immer „clean“ waren?

Die Frage ist, ob ich das muss. So wie Sie antworten, muss ich aber davon ausgehen, dass Sie gedopt haben.

Dann sage ich klipp und klar: Nein. Aber Sie unterschätzen Dopingkontrollen. Wenn Sie wirklich viel Kaffee trinken und getestet werden, sind Sie schon gedopt.

Finden Sie Bodybuilder-Frauen eigentlich attraktiv?

Wir unterscheiden bei uns verschiedene Klassen: Bei Bikini-Fitness sind wir sicher die Sportart mit den schönsten Frauen. Echte Bodybuilding-Frauen sind komplett austrainiert. Da schätze ich die sportliche Leistung. Damit hat es sich aber auch schon.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.06.2013)