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Zweistelliges Wachstum bei nachhaltigen Geldanlagen

Marktbericht. In Österreich, Deutschland und der Schweiz sind insgesamt 120 Mrd. Euro nachhaltig veranlagt. Für Unternehmen ist das durchaus ein Anreiz, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Wien. Nachhaltige Geldanlage ist nach wie vor ein Minderheitenprogramm – ein milliardenschweres wohlgemerkt. Denn der Markt dafür ist im Vorjahr allein in Österreich um 17Prozent gewachsen, wie ein Bericht des Forum Nachhaltige Geldanlage (FNG) zeigt. Auch in Deutschland und der Schweiz verzeichnete der Bereich zweistellige Wachstumsraten. In allen drei Ländern summierte sich das Volumen nachhaltiger Anlage auf 120,3 Mrd. Euro, das sind um 16 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor.

Nachhaltige Geldanlagen berücksichtigen neben finanziellen Kennzahlen auch ethische, soziale und ökologische Kriterien. Die Strategien sind sehr unterschiedlich, was die Vergleichbarkeit erschwert. Am häufigsten wird in allen drei Ländern mit Ausschlusskriterien gearbeitet, etwa für Waffen und Kernkraft. An zweiter Stelle steht in Österreich das Screening nach der Übereinstimmung mit internationalen Standards oder Normen. In Deutschland und der Schweiz wird dagegen die Best-in-Class-Methode präferiert. Dabei werden jeweils Unternehmen einer Branche verglichen, unter ihnen werden dann die „nachhaltigsten“ ausgewählt.

Der Anteil der nachhaltigen Investmentfonds legte in Österreich und Deutschland zuletzt um 20 Prozent, in der Schweiz um 15Prozent zu. Entfiel hierzulande bis zum Jahr 2008 noch weniger als ein Prozent des Volumens auf nachhaltige Fonds und Vermögensverwaltungsmandate, waren es heuer bereits 3,6 Prozent.

 

Thema für institutionelle Anleger

Auf der Anlegerseite sind es vor allem institutionelle Investoren, wie Pensions- und Vorsorgekassen oder betriebliche Pensionsfonds, die auf Nachhaltigkeit Wert legen. Ihr Marktanteil legte weiter zu und beträgt in Österreich 81Prozent, in Deutschland 77 und in der Schweiz 54 Prozent.

In allen drei Märkten wächst auch die Bedeutung sogenannter Asset Overlays. Dabei verwenden Vermögensverwalter – unabhängig von einem Angebot konkreter Nachhaltigkeitsprodukte – bestimmte Ausschlusskriterien für ihr gesamtes Vermögen oder Teile davon. Zum Beispiel sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz bei Veranlagungen von insgesamt 1,43 Billionen Euro Investments in Streumunition und Antipersonen-Minen ausgeschlossen. Um als nachhaltige Geldanlage eingestuft zu werden, reicht das allerdings nicht aus.

Dass die Aufnahme in nachhaltige Geldanlagen durchaus ein Hebel sein kann, um Unternehmen zu mehr Nachhaltigkeit zu motivieren, belegt eine Studie der Ratingagentur Oekom Research. Befragt wurden weltweit 750 Großunternehmen, knapp zwei Drittel gaben an, dass für sie die Anforderungen entsprechender Ratings ein ausschlaggebender Faktor dafür seien, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Bei jedem dritten Unternehmen beeinflussen die Anfragen von Nachhaltigkeitsanalysten die Gesamtstrategie.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.06.2013)