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Offshore-Leaks: Wiener Umweg in die Karibik

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Die Unternehmensberatung Lighthouse soll laut einem Medienbericht alleine auf den British Virgin Islands 52 Briefkastenfirmen eingerichtet haben.

Die Wiener Lighthouse Unternehmensberatung GmbHlotst offenbar Firmen über Wien in die Karibik. Das berichtet der "Kurier" am Montag. Alleine auf den British Virgin Islands hat die Dienstleistungsfirma um Geschäftsführer Mark Kalyagin 52 Briefkastenfirmen für Kunden eintragen lassen, heißt es in dem Bericht. Das "International Consortium of Investigative Journalists" (ICIJ) hatte erst am Wochenende - kurz vor Beginn des G8-Gipfels - Daten von über 100.000 Treuhandgesellschaften und Firmen, die in Steueroasen ihren Sitz haben, ins Internet gestellt (DiePresse.com berichtete). Sucht man in der Datenbank nach dem Wort "Austria", scheinen 53 Gesellschaften und 34 Adressen auf.

>>> zur ICIJ-Datenbank

Die Unternehmensberatung Lighthouse sticht dem "Kurier" zufolge vor allem deshalb hervor, weil über den Wiener Umweg vorwiegend Russen den sichereren Hafen in der Karibik ansteuerten. Zwischen 2004 und 2007 seien die meisten Gesellschaften gegründet worden, heißt es im Bericht. Die Muttergesellschaft, die Lighthouse Consultancy Limited, hat ihren Sitz auf Malta.

Keine neuen prominenten Namen

Offshore-Leaks hatte in Österreich bereits Konsequenzen: So ist RBI-Chef Herbert Stepic zurückgetreten, nachdem seine umstrittenen Geschäfte in Steueroasen öffentlich wurden . Auch Superfund-Gründer Christian Baha wurde im Zusammenhang mit der Datensammlung genannt (DiePresse.com berichtete).

Neue prominente Namen aus Österreich sind am Wochenende nicht aufgetaucht. Öfters gibt es einen Bezug zu Russland: So soll die Firma eines russisch-usbekischen Milliardärs aus der Kupfer- und Metallindustrie von Österreich aus Offshore-Firmen gegründet, wie "Ö1" berichtete. Ebenfalls teils von Österreich aus aktiv soll ein ukrainischer Gasmilliardär gewesen sein, der Millionen vor dem Zugriff seiner Ex-Frau verstecken wollte.

Holzhändler, Malereibetrieb, Arzt

Zu den österreichischen Besitzern von in Offshore-Gebieten registrierten Firmen gehören auch ein niederösterreichischer Leasingunternehmer, ein Kärntner Malereibetrieb, ein Holzhändler aus Ternitz sowie eine Holzboden-Erzeuger aus der Steiermark. Wie vorsichtig mit den Daten umzugehen ist, zeigt eine Nachfrage der "Kleine Zeitung": Eine Allgemeinmedizinerin aus Graz, deren Name und Ordinationsadresse auf der Liste aufscheine, sei "aus allen Wolken gefallen" und könne sich nicht erklären, warum sie betroffen sein könne. Ähnlich sei es bei einem Klagenfurter Unternehmer gewesen.

Das Journalistennetzwerk ICIJ betonte bei der Veröffentlichung der Daten, es unterstelle keine illegalen Handlungen. Die Veröffentlichung dient dem Kampf gegen Steuerflucht und Steueroasen - das auch beim G8-Gipfel, der derzeit in Nordirland abgehalten wird, ein zentrales Thema ist.

(Red./APA)