Schnellauswahl

Goldman Sachs: Rotweine als Kreditsicherung

Symbolbild
Goldman Sachs: Rotweine als Kreditsicherung(c) EPA (Mike Alquinto)

Ein ehemaliger ranghoher Mitarbeiter hinterlegt 15.000 Flaschen edler französischer Rotweine als Sicherheit für einen Kredit.

New York/Bloomberg. Goldman Sachs hat von einem früheren ranghohen Mitarbeiter fast 15.000 Flaschen edlen Weins als Sicherheit für einen Kredit akzeptiert. Das geht aus einer Pflichtmitteilung der Bank aus dem vergangenen Monat hervor. Bei dem Kreditnehmer handelt es sich den Angaben zufolge um Andrew Cader, einen früheren Senior Director bei Goldman Sachs.

„Wir haben hier eine Menge sehr hoch bewerteter Weine“, sagt David Parker, Chef der Benchmark Wine Group in Napa. Seinen Worten zufolge kommen die in der Pflichtmitteilung erwähnten Weine auf einen geschätzten Marktwert im unteren siebenstelligen US-Dollar-Bereich.

Weine als Investment

Die Weine sind demnach in erster Linie französische Bordeaux- und Burgunder-Weine. Die Transaktion sticht in jedem Fall hervor.

Zwar haben private Banken auch in der Vergangenheit schon bei Krediten an reiche Kunden Vermögenswerte wie Kunst und Immobilien als Sicherheit angenommen. Die Akzeptanz teurer Weine ist aber ein neues Phänomen. Weine mit „Investmentgrade“ haben sich in den letzten zehn Jahren besser entwickelt als der Aktienmarkt. Ein Zeichen für die anhaltende „Flucht in die Sachwerte“.
Jedoch ist die Anlageklasse immer anfällig für Betrug gewesen. Milliardär William Koch beispielsweise reichte eine Reihe von Klagen wegen Weinfälschungen ein.

Cader selbst wollte sich nicht zu dem Kredit äußern. Und Andrea Raphael, eine Sprecherin von Goldman Sachs in New York, erklärte: „Wir kommentieren keine Einzelkredite wegen der Kundenvertraulichkeit. Wir setzen aber grundsätzlich hohe Standards im Risikomanagement und bewerten entsprechend jede Form von Sicherheiten bei allen Krediten.“

Während die US-Aufsichtsbehörden den Eigenhandel bei Investmentbanken beschränken, haben viele Finanzunternehmen ihre Privatbanking-Geschäfte ausgebaut. Diese sollen dabei helfen, verloren gegangene Erlöse auszugleichen.

Superreiche Kunden dieser Banken sind daran interessiert, Vermögenswerte wie Kunst oder Wein als Sicherheiten einzusetzen. Diese hatten zuletzt deutlich an Wert gewonnen, und das Zinsniveau verharrt seit über vier Jahren auf Tiefstständen. Der Nachteil ist, dass die Banken riskieren, Betrügern aufzusitzen.

Koch, Gründer von Oxbow Corp. – einer privaten Rohstoffvermarktungs- und Bergbaufirma aus Florida – geht davon aus, dass auf dem Markt für Jahrgangsweine derzeit hunderte Millionen Dollar an Fälschungen umherschwirren. Koch hat bereits sieben Klagen im Zusammenhang mit Wein eingereicht.

85 Mio. Dollar aus Aktien

„Dies wird für Goldman wohl nicht zu einer regelmäßigen Sache“, meint Stephen Burton, Gründer der Bordeaux Cellars in London. Seine Firma spezialisiert sich darauf, Weinkäufe zu finanzieren. „Es wird wohl nicht der allgemeinen Öffentlichkeit angeboten werden, das ist sicher.“

Cader war Ko-Chef von Spear, Leeds & Kellogg, als Goldman die Firma im Jahr 2000 für 6,2 Mrd. Dollar übernahm, und bekam damals im Rahmen des Buy-outs Aktien von Goldman Sachs. Er sammelte mindestens 85 Mio. Dollar ein, indem er zwischen Jänner und Oktober 2002 1,1 Mio. Aktien verkaufte, wie Mitteilungen an die US-Wertpapieraufsicht zeigen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.06.2013)