Basketball: Ein „Tiroler Turm“ wacht unter Sienas Korb

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bdquoTiroler Turmldquo wacht unter(c) EPA (David Aguilar)
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Benjamin Ortner und Siena fehlen nur noch ein Sieg auf den Gewinn des Scudetto. Der Tiroler, 30, spielt seit acht Jahren in Italien und punktet auch konstant in der Euro.

Siena/Wien. Sport genießt in Italien enormes Ansehen. Fußball dominiert die Berichterstattungen in diversen Gazetten, aber auch Basketball steht hoch im Kurs. Vor allem Montepaschi Siena, der Klub aus dem Herzen der Toskana. In der Best-of-seven-Finalserie führt der Serienmeister mit 3:1-Siegen gegen Acea Roma. Im vierten Spiel rückte beim 81:71-Erfolg ein 2,06 Meter großer Österreicher in den Blickpunkt: Benjamin Ortner. Er erzielte neun Punkte, verbuchte drei Rebounds und zwei Steals. „Uns fehlt nur noch ein Sieg auf den Gewinn des Scudetto. Für den Verein wäre es der siebente in Serie – für mich aber der erste.“

Für den 30-jährigen Tiroler könnte bereits heute in Rom der große Traum in Erfüllung gehen. Schließlich bestreitet der Center nach Stationen in Reggiana, Udine, Cantù und Treviso seine bereits achte Saison in der Lega Basket Serie A. Basketball ist in Siena der Kassenschlager, „zu Heimspielen kommen 5000, 6000 Zuschauer“, schwärmt Ortner, der die „Tradition und Begeisterung“ zu schätzen weiß. In Österreich wäre es undenkbar, Italien aber ist anders: „Der Vergleich ist treffend. Siena genießt einen Stellenwert wie die Fußballer von Juventus.“

In Denver zum Profi gereift

In Italien Meister zu werden, war bislang nur einem Österreicher vergönnt. Herbert Prohaska gewann mit AS Roma 1983 den Titel. Daran hätte Ortner, der vor fünfzehn Jahren im Innsbrucker Gymnasium seine Liebe zum Basketball entdeckt hat, anfangs nie zu träumen gewagt. Doch nach dem „Computer-Science“-Studium in Denver, dem Basketball-Programm der Metro-State-Roadrunners und dem Titelgewinn 2002 der NCAA (Division 2) war schlagartig alles anders. „Basketball war damals noch mein Hobby, meine Eltern wollten unbedingt, dass ich auch eine gute Ausbildung habe – in Amerika habe ich beides mit einem Stipendium perfekt vereint“, sagt der 30-Jährige stolz. Trainer Mike Dunlap – er betreute vergangene Saison den NBA-Klub aus Charlotte – „zeigte mir alles, was Profis können müssen“.

Für ein Engagement in Amerika reichte es nicht, dafür fasste Ortner in Italien und für drei Wochen auch in Gießen Fuß. Bei Siena kam er zudem in den Genuss, in der Euro League, der Champions League der Basketballer, zu punkten. Gegen Stars von Barcelona, Fenerbahce oder Moskau zu spielen, betrachtet er als „Auszeichnung“. Zweimal kam es auch zu einem Österreicher-Duell, beim polnischen Klub Gdingen spielt Rasid Mahalbasic, Siena verpasste die Play-offs aber knapp.

Ortner liebt seinen Beruf, ob er aber in Siena bleiben wird, entscheidet sich erst mit Saisonende. Fix hingegen ist, dass der Center weiterhin nicht im Nationalteam spielen wird. 2007 trug er zuletzt das Dress, „es gab Ungereimtheiten“, sagt er kühl. Eine Rückkehr oder die Teilnahme bei der EM-Vorqualifikation ab 1. Juli sind für ihn daher „kein Thema“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.06.2013)

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