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Alpine-Pleite: Konkurswelle befürchtet

Alpine Pleite
Alpine Pleite(c) REUTERS (DOMINIC EBENBICHLER)
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Alpine ist eine Insolvenz der Superlative: Die Überschuldung liegt bei 1,9 Mrd. Den Gläubigern wird eine Quote von 20 Prozent geboten. Das wirkt sich katastrophal auf Zulieferer aus.

Wien. Die spanischen Banken und der in Madrid ansässige Mutterkonzern FCC drehten den Geldhahn zu: Daher wurde am Mittwoch über die Salzburger Alpine Bau das Insolvenzverfahren eröffnet. Mit Passiva von 2,562 Milliarden Euro handelt es sich um die größte Pleite Österreichs.

Die Probleme bei Österreichs zweitgrößtem Baukonzern zeichneten sich längst ab: Am 18. Mai berichtete „Die Presse“ exklusiv, dass FCC mit dem Konkurs der Salzburger Tochter droht. Der Alpine-Konzern beschäftigt 15.000 Mitarbeiter, davon die Hälfte in Österreich. Hinzu kommen 7500 Arbeitsplätze bei 1500 Subunternehmen und 1500 Lieferanten.

Politische Auswirkungen

Aber nicht alle Alpine-Gesellschaften haben Probleme. Von der jetzigen Pleite sind 6500 Alpine-Mitarbeiter betroffen, davon 4900 Stellen in Österreich.

Dies könnte auch für die Regierung ein Problem werden. Am 29. September wird ein neues Parlament gewählt. SPÖ und ÖVP wollten im Wahlkampf zeigen, dass Österreich die Krise viel besser bewältigt habe als andere Länder. Doch laut Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl (ÖVP) ist „das Eis, auf dem die Betriebe derzeit arbeiten, sehr dünn geworden“. Er fordert ein Konjunktur-Impulsprogramm.

Tatsächlich häufen sich die Hiobsbotschaften: Vor Kurzem sperrte Niedermeyer zu. Der Schlecker-Nachfolger Dayli meldete 560 Mitarbeiter zur Kündigung an und sucht einen Investor. Bis zum Wahltermin wird die Arbeitslosenquote steigen. „Je länger die Krise dauert, umso mehr trennt sich in der Wirtschaft die Spreu vom Weizen“, sagt Bank-Austria-Chefanalyst Stefan Bruckbauer.

Bei Alpine sind aber viele Probleme hausgemacht: 2006 stieg der spanische FCC-Konzern ein. Dieser verfügt über mehrere Standbeine – wie die Bau- und Immobilienbranche, die sich in Spanien in einer schweren Krise befindet. Daher sank der Wert des FCC-Konzerns an der Börse in Madrid auf 944 Millionen Euro.

Dem Vernehmen nach erhöhten die spanischen Banken den Druck auf FCC, kein weiteres Geld nach Österreich zu schicken. In Summe setzte FCC mit dem Engagement bei Alpine bereits 700 Millionen Euro in den Sand. Trotzdem spitzte sich die Lage immer mehr zu. Im Vorjahr verbuchte Alpine einen Verlust von knapp 450 Millionen Euro. Schuld daran waren Probleme in Südosteuropa und in Deutschland.

Im März verzichteten die Banken auf 150 Millionen Euro ihrer Schulden und die spanische FCC sagte eine Finanzspritze von 250 Millionen Euro zu. Doch zu Beginn dieser Woche stellte sich heraus, dass die Salzburger Firma weitere 400 Millionen Euro benötigt. Den Passiva von 2,562 Milliarden Euro stehen bei Alpine Aktiva von 661 Millionen Euro gegenüber. Die Überschuldung beträgt 1,9 Milliarden Euro. Davon sind 8000 Gläubiger betroffen. Zum Masseverwalter wurde am Mittwoch der Wiener Rechtsanwalt Stephan Riel bestellt. Die erste Gläubigerversammlung findet am 4. Juli statt.

Staat verliert 120 Millionen Euro

Den Gläubigern wird im Sanierungsplan eine Quote von 20 Prozent zahlbar binnen zwei Jahren geboten. Zu den größten Kreditgebern gehören Erste Bank und Bank Austria. In Summe belaufen sich die Bankverbindlichkeiten auf 450 Millionen Euro. Auch der österreichische Steuerzahler kommt zum Handkuss. Denn der Bund haftet für Kredite im Ausmaß von 150 Millionen Euro. Bei einer Quote von 20 Prozent muss der Staat 120 Millionen Euro abschreiben.

Katastrophal dürfte die Insolvenz für viele kleine und mittlere Alpine-Zulieferer enden, die nun 80 Prozent ihrer Forderungen verlieren. Daher sind im Baunebengewerbe (wie Bauschlosser, Glaser, Tischler, Haustechnik) viele Folgekonkurse zu erwarten.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.06.2013)