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„So ist der Österreicher eben: Lässt alle anderen denken und ist dagegen“

Worte von verantwortungsvollen Leuten, die es wissen müssen, werden bei den österreichischen Gegnern des Frackings, der hydraulischen Simulation zur Schiefergasförderung, ungehört verhallen.

 

Fracking ist vom Klang her ein martialisches Wort. „Hydraulische Stimulation“ bedeutet das Gleiche, hört sich aber so neutral und kompliziert an, dass sich dieses Synonym wohl nie durchsetzen wird. Die hydraulische Stimulation bezeichnet eine Methode zur Gewinnung von Erdgas aus Gestein. Dabei wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in den Boden gepresst, um dort Risse zu erzeugen, damit das Gas austreten kann.

„Fracking“ hingegen ist ein Kunstwort, hergeleitet aus fracture, das im technischen Englisch „Bruchgefüge“ bedeutet. Das Timbre des Wortes ruft Besorgnis und Widerwillen hervor. In kaum einem anderen Land ist Fracking von so emotionaler Ablehnung gekennzeichnet wie in Österreich. „Wir haben in Österreich die Tendenz, etwas abzulehnen, bevor wir wissen, was es ist“, beklagt Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner zu Recht vor einem Monat in der „Presse“.

Mit unbezwingbarem Eifer werden von den Gegnern des Frackings Unfälle bei dieser Fördermethode von Schiefergas gesammelt, um sich selbst und alle, die ihrem missionarischen Ton verfallen, das Grauen vor dieser Technik zu lehren. „Es wird zwar behauptet“, erwidert darauf der nüchtern argumentierende Präsident der schweizerischen Vereinigung von Energie-Geowissenschaftern, Peter Burri, „dass Risse im Gestein entstehen, die bis an die Oberfläche reichen und so die trinkwasserführenden Schichten erreichen. Damit könne das Trinkwasser kontaminiert werden. In den USA gab es zwar inakzeptable Unfälle, bei denen Trinkwasser beeinträchtigt wurde, aber das lag nachweislich nie am Fracking. Die Risse sind nie so groß, dass sie bis in die Trinkwasserschichten hinaufreichen.“

Seine Worte werden bei österreichischen Gegnern des Frackings ungehört verhallen. Da glaubt man viel lieber jenen, die von der Gefahr schwadronieren, Fracking könne katastrophale Erdbeben hervorrufen – was zwar barer Unsinn ist, aber den Elan des Widerstandsgeistes fördert.

Nichts gegen Vorsicht und Skepsis – aber diese nur dann, wenn man nach fachlicher Orientierung bereit ist, sine ira et studio die Vor- und Nachteile zu erwägen. Doch unvoreingenommen zu sein, ist selten die Tugend der sich besorgt Mimenden.

Die wenigsten unter ihnen wollen wahrhaben, dass die wertvollsten Errungenschaften der Moderne der Technik zu verdanken sind; dass der Ruf nach einem „Zurück zur Natur“ ganz und gar sinnlos ist; dass es nämlich die „unberührte Natur“, an die manche wie an einen Götzen glauben, gar nicht gibt; dass wir nicht auf die Illusion einer „heilen Natur“ setzen dürfen, wenn wir das gute Leben, das uns die Technik ermöglicht hat, erhalten wollen, sondern auf weitere technische Fortschritte.

Eine Voraussetzung für ein gutes Leben in Zukunft ist die Stillung des wachsenden Hungers nach Energie. Nur mit ausgereifter Technik kann man ihm begegnen. Das Weinviertel könnte ihn für unsere Region stillen: Es wurde ein riesiges Schiefergasvorkommen entdeckt, das Österreich für die nächsten Jahrzehnte von Gasimporten unabhängig machen könnte.

Der Kontrast verwundert: Während die einen radikal gegen Fracking polemisieren, entwickeln Forscher der Montanuniversität Leoben auf der anderen Seite wohlüberlegte Methoden der hydraulischen Stimulation, die die Umwelt optimal schonen.


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.06.2013)