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In China wackeln die Banken

CHINA BANK OF CHINA
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Die chinesische Zentralbank will die Banken zur Disziplin zwingen, weil sie eine Blase befürchtet. Ergebnis: Plötzlich herrscht Unsicherheit im chinesischen Bankensektor.

Wien/Jil. „In China ist ein Sack Reis umgefallen“ ist eine „umgangssprachliche Metapher für ein unwichtiges Ereignis“, lehrt uns Wikipedia. Anders würde es sich bei dieser Phrase verhalten: „In China ist eine Bank umgefallen“ wäre viel, aber sicherlich kein unwichtiges Ereignis. Nun ist es noch nicht so weit, aber die Angst vor einer handfesten Krise hat das „Reich der Mitte“ urplötzlich im Griff. Und ausgerechnet die Zentralbank dürfte „schuld“ sein.

Während die ganze Welt gespannt auf die Fed-Entscheidung in der vergangenen Woche gewartet hatte (eine Entscheidung zum Liquiditätsprogramm Quantitative Easing, die nur schwammig ausfiel), schien die Peoples Bank of China eisern gewillt, ihre Banken zur Disziplin zu zwingen. Kurz: Die Notenbank ließ die Banken wissen, dass sie im Notfall nicht auf billiges Zentralbankgeld hoffen dürfen. Die Folge: Eine plötzliche Kreditklemme im Interbankenmarkt („Die Presse“ berichtete).

Die Banken wurden zudem aufgefordert, ihr Liquiditätsmanagement zu verbessern, sagten vier mit internen Beratungen vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. „Chinas Kredite liegen bei 200 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung, weshalb die Zentralbank wohl in Absprache mit der Regierung bemüht ist, eine Entschuldung und Neuausrichtung einzuleiten und die Wirtschaft auf einen dauerhafteren Wachstumspfad zu bringen“, schrieben die Barclays-Experten Yiping Huang und Igor Arsenin in einer Studie. Der Liquiditätsengpass sei als regulative Maßnahme politisch gewollt, vermutete auch die australische Bank Westpac.

Nach Ansicht von Händlern ist Chinas Zentralbank entschlossen, die Banken zu zwingen, ihre Schuldenlast selbst zu reduzieren. Außerdem sollen Banken gedrängt werden, den exzessiven Verkauf von Anlageprodukten im Vermögensmanagement einzuschränken. Dabei geht es vor allem um den Verkauf gebündelter Vermögenswerte wie Kreditforderungen, die den Kunden hohe Erträge versprechen.

Die chinesische Zentralbank ist in einer Zwickmühle: Der starke Kredithebel bringt die Gefahr einer Blase mit sich. Besonders der Immobilienmarkt gilt inzwischen als überhitzt. Dazu kommt die Frage, wie sehr die Zentralbank das Kreditgeschäft überhaupt im Griff hat. Der sogenannte Schattenbanken-Sektor ist in China in den vergangenen Jahren ohne jede Kontrolle gewuchert. Als Schattenbanken bezeichnet man alle Unternehmen, die zwar Geld auf irgendeine Weise verleihen, aber keine Banken sind und damit auch nicht den Regeln für Banken unterliegen.

 

Kleine Banken gefährdet

Dies schaffe zusätzliche Risiken, warnte erst kürzlich die Rating-Agentur Fitch. „Jetzt versuchen sie mit einem neuen Ansatz, das System der Schattenbanken zu zügeln“, so Fitch-Expertin Charlene Chu. „Dieser neue Ansatz ist effektiver, überrascht aber auch den Markt.“

So sorgten zeitweise Gerüchte für Panik, wonach zwei der weltgrößten Finanzinstitute auf Notkredite der Zentralbank angewiesen sein sollen. Die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) – die nach Vermögenswerten größte Bank der Welt – sah sich ebenso zu einem Dementi gezwungen wie die Bank of China, der viertgrößte Kreditgeber in der Volksrepublik.

Laut dem Paper von Barclays sind aber eher kleine Institute gefährdet. Genannt werden die CITIC Bank, Minsheng und die Industrial Bank Co. (nicht zu verwechseln mit der größeren ICBC!) – weil sie auf riskanten Assets sitzen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.06.2013)