Anleger meiden Schwellenländer

(c) EPA (JIM HOLLANDER)
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Sinkende Rohstoffpreise, aber auch die Risikoaversion der Investoren lassen die Börsen der Emerging Markets nicht vom Fleck kommen.

Im Gegensatz zum Frankfurter DAX oder zum US-amerikanischen Dow Jones haben die Börsenindizes der aufstrebenden Volkswirtschaften der Welt (Emerging Markets) heuer keine Höhenflüge hingelegt. Von der jüngsten Korrektur an den Börsen sind sie dennoch betroffen. Die Folge: Während der weltweite Aktienindex MSCI World seit Jahresbeginn um sechs Prozent zugelegt hat, hätte man mit chinesischen oder osteuropäischen Aktien zweistellige Verluste eingefahren.

Eine Ursache ist die schwache Entwicklung der Rohstoffpreise, die vor allem jenen Ländern zu schaffen macht, die stark rohstoffabhängig sind, erklärt Harald Egger, Aktienchef der Erste Sparinvest. Etwa Brasilien. „Dort haben sich die Aktien stark verbilligt, sind aber immer noch zu teuer.“ Einer der wichtigsten Abnehmer der brasilianischen Rohstoffe ist China, dessen Wirtschaft zwar noch immer stärker wächst als jene von Europa und den USA, aber nicht so stark wie erwartet. Nicht alle Schwellenländer seien aber gleich schlimm betroffen: Die russische Wirtschaft sei zwar ebenfalls sehr rohstofflastig, ein wichtiger Abnehmer sei aber Europa, und dessen Nachfrage sei stabiler, sagt Egger. Russische Aktien zählen zudem zu den billigsten der Welt, was die Bewertung betrifft.

Doch russische Aktien wurden bis dato genauso abgestraft wie türkische oder chinesische. In unsicheren Zeiten fliehen die Anleger generell in sichere Häfen, Emerging Markets werden nicht als solche gesehen. „Die Gewinne in China waren eher schwach, beginnen aber leicht zu steigen“, meint der Fondsmanager. Er sieht jetzt einen guten Einstiegszeitpunkt. Ähnlicher Ansicht ist Christina Chung, Senior Portfolio Manager China Equities bei Allianz Global Investors: „Es gibt Anzeichen für eine Bodenbildung.“ Sie verweist auf das Gewinnwachstum der chinesischen Industrie. Die Wachstumsraten seien 2011 stark gefallen und teilweise in den negativen Bereich gerutscht, inzwischen haben sie aber gedreht.

Beim Investieren sollte man selektiv vorgehen, meint sie. Gute Aussichten hätten jene Unternehmen, die von staatlichen Sozialreformen, dem starken Zuzug in die Städte oder der Umstellung der Wirtschaft vom Export zum Binnenkonsum profitieren: Versicherungsunternehmen, Versorger und Konsumaktien.

Nicht alle sind so optimistisch: Insider (also etwa Manager oder Großaktionäre) haben im Mai– als der Shanghai Composite Index noch stieg– so viele A-Aktien verkauft wie seit Juni 2009 nicht mehr. Das zeigt eine Studie der UBS. A-Aktien sind solche, die nicht in Hongkong, sondern in Schanghai und in der Landeswährung Renmimbi gehandelt werden. Am häufigsten trennten sich die Insider laut Bloomberg von Computer-Aktien, Medienwerten und Aktien aus dem Sektor „Spezialausrüstung“. Bei Chemiegrundstoffen und Telekomfirmen wurde dagegen unterm Strich zugekauft. „Wir glauben, der Markt unterliegt mittelfristigen Abwärtsrisken, wenn der Ausstieg aus den Aktien weitergeht, das Wachstum der inländischen Investments nachlässt und es an der politischen Front an Initiativen mangelt“, schrieben die UBS-Experten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.06.2013)

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