Der Raum mit seinen Zugängen

(c) Clemens Fabry
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Die Studienrichtung Raum- & Designstrategien inszeniert das Thema »Brot und Spiele« in Linz.

So kann man sich auch Räume erobern: Als sich die EU gen Osten erweiterte, fuhren 40 Studierende mit einem umgebauten Frachter von Linz an das Schwarze Meer. „Flagship Europe“ hieß das Projekt, das Elsa Prochazka als Leiterin der Studienrichtung Raum-& Designstrategien an der Kunst-Uni Linz initiiert hatte. Workshop, Projekte und Studierende holte sie während der Reise an Bord. Doch Prochazka hat mit ihren Studierenden schon ganz andere Jahresthemen transdisziplinär durchschifft: das Phänomen Zeit etwa, die Logik der Nahrungsketten, das Wetter. Oder heuer: „Brot und Spiele“. „Es geht um Riten, Feste und Spektakel. Und darum, wie sich ihre Formate auch ändern in einer globalisierten Welt“, erklärt Prochazka. Und um ihre Zugänge zu diesem Thema zu zeigen, hat sich die Studienrichtung Raum- & Designstrategien auch mitten in Linz auf dem Hauptplatz einen Raum erobert, einen „Off-Space“, der zuvor lange leer stand. Seit März findet dort eine Ausstellungsserie statt. Vertreter aus allen Jahrgängen und aus verschiedensten Kulturen haben sie gestaltet. Am Donnerstag, dem 27.Juni, mündet die Serie in ein Abschlussfest, bei dem sich Performances, ein Dokumentarfilm, auch Essen und Musik um das Thema „Brot und Spiele“ drehen.

Zwölf Jahre lang hat Elsa Prochazka die Studienrichtung geleitet, sich jährlich mit den Studierenden existenziellen Fragestellungen transdisziplinär genähert. Denn in ein vordefiniertes Berufsbild, sagt Prochazka, sollten sich die Studierenden nicht verlieren. Die scharf getrennten Berufsrubriken bilden die Unschärfe der gesellschaftlichen Problemstellungen längst nicht mehr ab. Mit unterschiedlichen Lösungsstrategien sollen die Studierenden dafür ihr eigenes Persönlichkeitsprofil entwickeln. Nach diesem Semester nimmt Prochazka Abschied, freut sich über die Entwicklung, die das Studium genommen hat, sowie die hohe Zahl auch der internationalen Bewerbungen. „Eines unserer Alleinstellungsmerkmale ist es, dass wir alles in den Werkstätten eins zu eins umsetzen können“, sagt Prochazka. Wichtig war ihr auch, zwei Welten, die digitale und die materielle, die auseinanderzudriften drohen, miteinander zu verknüpfen, „zu zeigen, welche Entsprechung ein Strich im Entwurf in der materiellen Welt hat“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.06.2013)

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