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Peking lässt Schattenbanken bluten

Symbolbild
Peking lässt Schattenbanken bluten(c) REUTERS (PETAR KUJUNDZIC)
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Die unregulierten Schattenbanken bedrohen das System. Aber die Zentralbank bleibt untätig – und bastelt stattdessen nun auch mit London an einer Allianz gegen den Dollar.

Wien/Peking. In China wird Journalismus noch betrieben, wie das in kommunistischen Staaten eben üblich ist. Der Staat betreibt eine „Nachrichtenagentur“ und ein paar Zeitungen. Und wenn es etwas zu vermelden gibt, dann ist das meist als „Kommentar“ getarnt. Wobei sowohl den Chinesen als auch dem Rest der Welt völlig klar ist: Hier spricht ein Ministerium.

Angst vor Liquiditätskrise

So wie am gestrigen Sonntag, als die Nachrichtenagentur Xinhua sich zum Thema „Geldversorgung“ äußerte. Am Ende der vergangenen Woche kam es (nach der Ankündigung der US-Notenbank Fed, das Anleihenprogramm QE3 möglicherweise zurückzufahren) in China zu einem dramatischen Liquiditätsengpass. Die Kosten für Übernacht–Repos („Repurchase-Agreements“ sind im Prinzip Vehikel zur kurzfristigen Geldbeschaffung für Banken, ähnlich Krediten) schossen auf zwölf Prozent. Kurz: Der chinesische Geldmarkt kam praktisch zum Stillstand.

Und die Zentralbank? Sie machte nichts. Womöglich, weil eine erneute Inflationierung nicht zur Vorlage der Fed gepasst hätte. Oder weil sie eine weitere Vergrößerung der bereits bestehenden Immobilienblase um jeden Preis vermeiden will.

Oder: Da es gar kein Problem gab. Das schrieb jedenfalls die Xinhua am Sonntag. Der Geldengpass kam von den „Schattenbanken“ – und die sind der Zentralbank egal, so die Botschaft. Als „Schattenbanken“ werden alle Firmen bezeichnet, die zwar Geld verleihen – aber keine Banken im herkömmlichen Sinn sind. Dass die Zentralbank ein Problem mit diesem unregulierten Sektor hat, war lange klar. Dass sie bereit ist, den Sektor ausbluten zu lassen – und damit auch den Rest der Wirtschaft zumindest zu gefährden –, ist neu.

Die Weigerung der Notenbank, Bargeld in das Finanzsystem zu pumpen, signalisiere tatsächlich einen Kurswechsel, heißt es in dem Kommentar von Xinhua: Nun komme es bei der Bereitstellung von Liquidität nicht mehr auf Quantität an, sondern auf Qualität.

„Das Bargeld in den Banken ist genauso knapp wie auf dem Aktienmarkt sowie in kleineren und mittleren Unternehmen – aber es gibt eine üppige Geldversorgung im Markt“, heißt es (ein wenig verschwurbelt) in dem Kommentar. „Viele große Unternehmen geben noch immer viel Geld aus und investieren in großem Stil in Anlageprodukte. Außerdem gibt es eine Menge heißes Geld auf der Suche nach spekulativen Investitionen, und private Kreditvergabe ist weit verbreitet“, kritisierte Xinhua. Damit solle es jetzt ein Ende haben. Ebenfalls beendet werden soll die allzu große Abhängigkeit der Weltmärkte vom US-Dollar, das hat die chinesische Führung immer wieder klargestellt.

„Währungs-Swap“ mit London

Einen weiteren Schritt ging man am Sonntag, als mit London ein „Währungs-Swap“ vereinbart wurde. China will seinen Yuan gern zu einer weltweit akzeptierten Leit- und Reservewährung ausbauen. Und in Europa wetteifern London, Paris und Zürich um den Titel „Yuan-Handelszentrum“. Mit der 25-Milliarden-Euro-Vereinbarung zwischen Großbritannien und China hat London jetzt die Nase vorn. Die englische Notenbank kann nun Yuan im Tausch gegen andere Währungen in den Londoner Finanzmarkt pumpen, falls es dort zu Engpässen mit der chinesischen Währung kommen sollte.

Ähnliche Abkommen hat China schon mit Australien, Südkorea und Malaysia geschlossen. Auch mit Russland und Japan gibt es derartige Währungs- und Handelsabkommen, die alle eines gemeinsam haben: Sie stehen für eine fortschreitende Abkehr vom Dollar als Weltleitwährung. Denn vor diesen Abkommen wurde jeder bilaterale Handel über das „Vehikel Dollar“ abgewickelt – jetzt braucht man die US-Währung nicht mehr.

Auf einen Blick

„Currency-Swaps“ kommen immer stärker in Mode. Vor allem China bemüht sich, die bilateralen Handelsbeziehungen auf die Landeswährung Yuan umzustellen, was der weltweiten Akzeptanz des Yuan zuträglich ist. Eigene Abkommen sind deswegen notwendig, weil der internationale Handel heute immer noch „per Dollar“ abläuft. So musste zum Beispiel Japan für aus China importierte Güter vor dem Abkommen der beiden Länder zuerst Dollar und dann Yuan kaufen, um die Güter zu erweben. Das neue Abkommen mit London dürfte aber eher darauf abzielen, die Yuan-Versorgung der europäischen Banken im Fall einer Krise sicherzustellen. In jedem Fall sind derartige Abkommen ein Schritt weg von der Dollar-Dominanz.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.06.2013)