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Spindelegger: Aufnahmeprüfung für das Gymnasium

Aufnahmepruefung fuer Gymnasium
Aufnahmepruefung fuer Gymnasium(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Vizekanzler Michael Spindelegger möchte den Zugang zur AHS ändern - und 40 Jahre nach ihrer Abschaffung die Aufnahmeprüfung wieder einführen.

Die Entscheidung, ob ein Kind eher für das Gymnasium oder für die Hauptschule (nunmehr NMS) geeignet ist, ist schwerwiegend. Getroffen wird sie im Normalfall von den Volksschullehrern. Sie entscheiden durch die Noten, die sie den Viertklässlern ins Abschlusszeugnis schreiben.

Vizekanzler Michael Spindelegger (ÖVP) sagte am Sonntag in der ORF-Pressestunde, dass er das gern ändern würde. Zur Frage, ob man nicht den Benotungsdruck von Volksschullehrern nehmen sollte und stattdessen eine Aufnahmeprüfung für das Gymnasium sinnvoller wäre, sagt Spindelegger, er würde das unterstützen. Aber: "Glauben Sie, dass Ministerin Schmied in dieser Richtung gesprächsbereit wäre?"

AHS-Gewerkschaft: "Sehr sinnvoll"

Bei der AHS-Lehrergewerkschaft stößt Spindeleggers Vorstoß auf offene Ohren. "Es wäre sehr sinnvoll, wenn die Feststellung der Leistung, Begabung und Motivation der Kinder künftig verlässlicher erfolgt als bisher", sagt Eckehard Quin, Vorsitzender der AHS-Lehrergewerkschaft im Gespräch mit "DiePresse.com".
 
Eine punktuelle Prüfung sei zwar nicht der Stein der Weisen, aber als Teil der Beurteilung durchaus sinnvoll. Quin kann sich etwa vorstellen, dass Leistungs-Überprüfungen wie das Lesescreening bei der Aufnahme in die AHS eine Rolle spielen. "Wer gewisse Mindeststandards beim Lesescreening nicht erreicht, der sollte auch keine AHS-Reife erhalten. Egal welche Deutschnote der Schüler hat", sagt Quin.
 
Sinnvoll wäre, wenn die Entscheidung darüber, ob ein Kind reif für das Gymnasium ist oder nicht, nicht allein bei der Volksschullehrerin liegen würde, so Quin weiter. Volksschul-, Hauptschul- und AHS-Lehrer sollten nach Beobachtung der Kinder eine gemeinsame Entscheidung treffen.

Grüne: "ÖVP dreht Rad der Zeit zurück"

Kritik an dem Vorstoß lässt aber auch nicht lange auf sich warten. "Mehr als 40 Jahre nach ihrer Abschaffung die Aufnahmeprüfung an die Gymnasien wieder einführen zu wollen, gleicht einer bildungspolitischen Geisterfahrt", sagt Harald Walser, Bildungssprecher der Grünen.

Spindelegger treibe damit die bildungspolitische Retropolitik der ÖVP auf die Spitze. Aufnahmeprüfungen an die AHS kommen für die Grünen nicht in Frage. Sie seien 1971 abgeschafft worden, weil sie nicht aussagekräftig seien: "Die Bildungslaufbahn für Kinder mit zehn Jahren kann nicht durch eine punktuelle Prüfung bestimmt werden." Das eine Kind sei sehr nervös, das andere habe gerade eine Krankheit überstanden, das dritte den Prüfungsstoff in der Volksschule gar nicht durchgenommen. Kinder könnten nicht dafür bestraft werden, dass die Lehrkraft zum Beispiel andere Schwerpunkte setzte als bei einer Prüfung verlangt.

(Red.)