Die Behörden nahmen in der Nacht auf Montag 28 Protestierende fest, die zuvor homosexuelle Teilnehmer angegriffen hatten.
"Rücktritt", "NOligarchia", "Wir hassen euch auch ohne Bezahlung": Es war der zehnte Tag der Proteste gegen die Regierung in Bulgarien, und die Slogans der Demontranten ähnelten jenen in den Tagen zuvor. Neu war, dass sich unter die Teilnehmer offenbar Provokateure gemischt hatten. In der Nacht auf Montag nahm die Polizei in der bulgarischen Hauptstadt 28 Menschen fest, die sich an den friedlichen Antiregierungsprotesten beteiligt hatten. Das berichteten bulgarische Medien. Die Demonstranten hatten die Polizei selbst auf die Unruhestifter aufmerksam gemacht.
Die Behörden teilten später mit, die meisten der Festgenommenen seien amtsbekannte Skinheads und Fußballhooligans. Weitere 200 wurden von der Polizei von der übrigen Menge getrennt, um Ausschreitungen vorzubeugen, meldete das Nationalfernsehen BNT1.
Beim Marsch wurden Homosexuelle angegriffen. Die Schwulen und Lesben, die ihre ursprünglich für Samstag geplante Parade auf einen späteren Zeitpunkt verschoben hatten, gliederten sich mit eigenen Forderungen und Plakaten in die Anti-Regierungsdemo ein. Die Polizei griff ein, als mutmaßliche Nationalisten und Hooligans ihre Transparente zerrissen, berichtete der private Nationalfernsehsender bTV.
Erste Risse in der Protestbewegung, die via soziale Netzwerke läuft, wurden sichtbar. Einer der Organisatoren klagte gegenüber der Nachrichtenagentur BGNES, dass sich der Unmut ursprünglich gegen "falsche Moral" und die inzwischen zurückgenommene, umstrittene Ernennung des Medienmoguls Deljan Peewski zum Geheimdienstchef gerichtet habe, nun aber von verschiedenen Gruppen der Rücktritt der ganzen Regierung gefordert werde.
Genau das verlangen auch knapp 60 Intellektuelle, die eine "Charta gegen das Modell der Herrschaft des Geldes" unterzeichneten. Sie wollen die "Wiederherstellung der Demokratie" im Land.
Seit zehn Tagen fordern Tausende Bulgaren den Rücktritt der neuen Regierung der Sozialisten mit der Türkenpartei DPS unter Premier Plamen Orescharski. Für Montagabend sind weitere Proteste angekündigt.
(som/ag.)