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Neutrale Vermittler in schlechter Arbeitssituation

Konrad Paul Liessmann
Konrad Paul Liessmann(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)

Die 300 Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten in Österreich wurden erstmals analysiert. Der Frauenanteil ist hoch. Und sie sind besser ausgebildet, werden aber schlechter bezahlt.

Wien. „Der Leser muss merken, dass der Schreiber sich gut auskennt, sonst kann Wissenschaftsjournalismus nicht überleben“, sagte Konrad Paul Liessmann am Dienstag bei der Präsentation der Studie über Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten in Österreich. Ihre Situation wurde europaweit erstmals – auf Initiative des Klubs für Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten – vom Medienhaus Wien erhoben: Von etwa 300 der Kollegen wurden 100 befragt.

Diese Gruppe der Journalisten ist überdurchschnittlich gut ausgebildet (65 Prozent mit Studienabschluss, siehe Grafik), hat aber prekäre Arbeitsverhältnisse: Mehr als 40 Prozent sind selbstständig oder in der Redaktion nicht fix angestellt. „Wissenschaftsjournalisten machen ihre Arbeit gern, wissen aber nicht, wie lange noch“, formuliert es Studienautor Andy Kaltenbrunner. Viele freie Journalisten (40 Prozent verdienen unter 2000 Euro netto) sind auf Zuverdienste angewiesen, etwa durch andere journalistische oder PR-Arbeit. Mit dem Feedback des Publikums sind sie zufrieden, auch mit der Arbeitsbelastung. Doch mehr als die Hälfte wünschen sich mehr Zeit für Recherche. Fast 100 Prozent dieser Journalisten sehen sich als neutrale Vermittler von Information, es geht weniger um Kritik an und Kontrolle der Wirtschaft und Politik als bei Kollegen anderer Ressorts.

Wissenschaftsjournalismus Neutrale Vermittler schlechter
Wissenschaftsjournalismus Neutrale Vermittler schlechter(C) DiePresse

Dafür arbeiten Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten sehr oft „crossmedial“ (für Radio und TV oder für Print und online). Die Daten zeigen, dass 56% der Journalisten in dem Bereich weiblich sind, der Altersdurchschnitt etwa sieben Jahre über dem Schnitt anderer Ressorts liegt und die meisten Geistes- oder Sozialwissenschaften studiert haben. Trotzdem berichten sie nun meist über Medizin, Gesundheit und Naturwissenschaft. „Die Arbeitssituation der Wissenschaftsjournalisten wird sich verändern. Wir müssen jetzt darüber reden, nicht in drei Jahren, wenn es zu spät ist: In Italien gibt es nur Blogs, keinen freien Wissenschaftsjournalismus mehr“, so der Vorsitzende des Klubs, Oliver Lehmann.

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.wissenschaftsjournalisten.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.06.2013)