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Löst China die nächste Finanzkrise aus?

China Finanzkrise
China Finanzkrise(c) REUTERS (KIM KYUNG-HOON)
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Den chinesischen Banken ging vorübergehend das Geld aus. Bevor die Situation eskalierte, schritt am Dienstag die Zentralbank ein und pumpte Milliarden in den Finanzsektor. Doch das ist nur eine kurzfristige Lösung

Peking/Wien. Wegen der Pressezensur dauert es einige Tage, bis negative Meldungen über die chinesischen Banken ins Ausland gelangen. Am Dienstag wurde bekannt, dass es bei mehreren chinesischen Großbanken zu Problemen gekommen sein soll. Der Kurznachrichtendienst Weibo berichtete, dass Kunden der Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) am Sonntag an den Bankomaten landesweit kein Geld abheben konnten.

Die ICBC ist die größte Bank Chinas und betreut in 16.000 Filialen 282 Millionen Kunden. Auch bei der drittgrößten Bank, der Bank of China, und bei der Bank of Nanjing soll es am Montag zu Störungen im Überweisungssystem gekommen sein. Wegen dieser Meldungen ging es am Dienstag mit den asiatischen Börsen bergab. Der Aktienindex CSI 300 verlor zeitweise sechs Prozent und notierte auf dem tiefsten Stand seit mehr als vier Jahren. Der CSI umfasst die 300 größten chinesischen Aktien, die an den Börsen in Shanghai oder Shenzen gelistet sind.

 

Wann platzt die Blase?

Internet-Blogger berichteten aus China, dass es auch am Dienstag zu Ausfällen bei den Bankomaten gekommen sein soll. Doch Fernsehbilder aus Peking und Shanghai zeigten, dass sich vor den Banken und Geldautomaten keine Menschenschlangen gebildet haben. Seit vergangener Woche fürchten Investoren in aller Welt, dass es Anzeichen für eine neue Finanzkrise gibt. Und diese könnte in China ihren Ausgang nehmen.

Die Nachrichtenagentur Reuters zitiert Experten, wonach China die gleichen Symptome aufweist, die die USA und Europa vor ihren jeweiligen Finanzkrisen zeigten: eine riesige Verschuldung des Finanzsektors, Tendenzen zur Bildung einer Immobilienblase und ein Rückgang des Wirtschaftswachstums. „Chinas Wirtschaft hat ein Schuldenproblem“, sagt Andrew Colquhoun, Analyst der Ratingagentur Fitch. Besondere Sorgen bereitet das stark angewachsene System von Schattenbanken.

Die chinesische Zentralbank, die People's Bank of China, sorgte in der Vorwoche für Panik auf den Geldmärkten. Denn sie weigerte sich, den Markt mit Geld zu fluten. Die chinesischen Finanzkonzerne versuchten daraufhin, Geld von anderen Banken zu bekommen. Doch das funktionierte nicht. Die Zinsen für kurzfristige Darlehen schossen um 25 Prozent in die Höhe.

Die chinesischen Banken misstrauen einander. Denn es ist unklar, wie viele Leichen in den Bilanzen stecken. Auf den Finanzmärkten machten Gerüchte die Runde, dass einige chinesische Banken in größeren Schwierigkeiten stecken. Die Situation spitzte sich zu, als die Meldungen über die Ausfälle bei den Bankomaten die Runde machten.

 

Die Zentralbank beruhigt

Dann schritten die kommunistischen Machthaber ein. Vertreter der Zentralbank erklärten am Dienstag auf einer Pressekonferenz in Shanghai, man werde alles tun, um die Zinsen wieder auf ein „vernünftiges Niveau“ zu bringen. Der jüngste Anstieg bei den Geldmarktzinsen sei nur vorübergehend. Alle Risken seien kontrollierbar. Außerdem versicherte die Zentralbank, dass man den Banken unter den Armen greife.

Institute, die einen Engpass aufweisen, werden ausreichend Finanzmittel bekommen. Einige Banken hätten bereits Geld erhalten. Weitere Details wurden nicht genannt. Doch angeblich soll die Notenbank schon mehrere Milliarden in den Finanzsektor gepumpt haben.

Warum gab es dann Probleme bei den Bankomaten? Für die Störung sei eine „Systemumstellung“ verantwortlich gewesen, erklärte die Industrial and Commercial Bank of China (ICBC). Mittlerweile funktioniere wieder alles.

Nach den Aussagen der Zentralbank entspannte sich die Lage. Die Zinsen für kurzfristige Darlehen sanken auf unter sechs Prozent. Auch an der Börse in Shanghai kehrte Beruhigung ein.

Analysten sind erleichtert, dass die Währungshüter im Notfall doch einschreiten und den Finanzkonzernen Geld zur Verfügung stellen. Daher sei in China vorerst keine Bankenpleite zu befürchten, heißt es.

 

Was tun die Kommunisten?

Doch die eigentlichen Probleme sind damit nicht gelöst. Irgendwann muss das kommunistische Regime etwas tun, damit sich die Kreditblase nicht weiter aufbläht. Das Geschäftsvolumen der chinesischen Banken ist in den vergangenen Jahren viel stärker gewachsen als die Realwirtschaft.

Viele Institute sitzen auf einem Berg von faulen Krediten. Selbst wenn es den Machthabern in Peking gelingen wird, durch behutsame Reformen eine Finanzkrise abzuwenden, werden die nächsten Jahre in China nicht einfach werden. Die chinesische Wirtschaft wird nicht mehr so stark wachsen wie dies in der Vergangenheit der Fall war. Auch der chinesische Aktienmarkt hat sich im Vergleich zu anderen Börsen zuletzt schlechter entwickelt.

Auf einen Blick

China weist die gleichen Symptome auf wie die USA und Europa vor ihren jeweiligen Finanzkrisen: eine riesige Verschuldung des Bankensektors und die Tendenz zur Bildung einer Immobilienblase. Damit die Situation nicht außer Kontrolle gerät, greift nun die Zentralbank ein. Sie stellt den Finanzinstituten Geld zur Verfügung. Doch das ist nur eine kurzfristige Lösung.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.06.2013)