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Möbelhandel: Südafrikanischer Eigentümer für Kika/Leiner

SPEKULATIONEN UeBER VERKAUF VON KIKA / LEINER
APA/GEORG HOCHMUTH
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Möbelhandel. Die österreichische Möbelgruppe geht um rund 600 Mio. Euro an den Steinhoff-Konzern. Die Marken „Kika“ und „Leiner“ sollen bleiben.

(Wien). „Das Familienunternehmen Kika/Leiner soll schon bald an die südafrikanische Steinhoff-Holding verkauft werden." Das berichtete „Die Presse" in der Ausgabe vom 19. April. Vom betroffenen Unternehmen gab es damals bloß ein knappes „kein Kommentar".

Gestern, Mittwoch, war man schon etwas redseliger: „Ja, es stimmt", teilte Aufsichtsratspräsident Herbert Koch mit. Die Verträge sind unterzeichnet. Vorbehaltlich der Zustimmung durch die europäischen Kartellbehörden wird die Steinhoff-Gruppe, eines der größten Möbelhandelsunternehmen der Welt, Eigentümer des österreichischen Möbelhändlers Kika/Leiner. Wie der „Presse" aus Bankenkreisen mitgeteilt wurde, sollen die Südafrikaner dafür rund 600 Mio. Euro auf den Tisch legen.

Das ist für die Familie Koch, der Kika/Leiner gehört, natürlich höchst erfreulich. Zumal Steinhoff auch noch höchsten Wert darauf legt, dass sich bei den Kika/Leiner-Geschäften nach außen hin nicht allzu viel ändert: Die Marken Kika und Leiner sollen erhalten bleiben. Und Herbert Kochs Sohn Paul, der im April 2008 die Geschäftsführung von seinem Vater übernommen hat, soll ebenfalls im Chefsessel bleiben.

Zum richtigen Zeitpunkt verkauft

Warum dann der Deal? Die Steinhoff-Gruppe sieht in Europa einen Kernmarkt und setzt auch große Hoffnungen in Osteuropa - wo die Österreicher bereits Fuß gefasst haben. Umgekehrt hatte Kika/Leiner gerade in diesem Raum zuletzt wirtschaftliche Probleme. Gemeinsam mit der Steinhoff-Gruppe, die bereits in Westeuropa (vor allem in Frankreich) stark vertreten ist, sind die Österreicher nun in einem Global Player eingebettet. „Die Familie Koch hat zum richtigen Zeitpunkt das Richtige getan", urteilten Branchenkenner gestern unisono. Heißt: Der Verkauf konnte ohne großen wirtschaftlichen Druck über die Bühne gebracht werden.

Was freilich nicht heißt, dass er völlig emotionslos vonstattenging. Immerhin handelt es sich um ein Traditionsunternehmen: Im Jahr 1910 wurde das Möbelhaus Leiner mit dem Kauf des Stammhauses in St. Pölten durch Rudolf Leiner gegründet. Später übernahm sein Sohn die Geschäfte, danach dessen Schwiegersohn Herbert Koch. Er zeichnete auch für das enorme Wachstum des Handelsunternehmens verantwortlich: 1973 wurde das erste Kika-Einrichtungshaus eröffnet, mit der Marke wurde auch ins Ausland expandiert. 1999 wurde der Konkurrent Michelfeit mit sieben Einrichtungshäusern in Österreich und zwei Niederlassungen in Ungarn gekauft.

Heute zählt Kika/Leiner rund 7500 Mitarbeiter an 73 Standorten in sieben Ländern - neben Österreich (50 Geschäfte) sind das Ungarn, Tschechien, die Slowakei, Kroatien, Serbien und Rumänien. Der Jahresumsatz liegt bei 1,2 Mrd. Euro. In Österreich rangiert die Gruppe hinter Lutz auf Platz zwei im Möbelhandel - vor Ikea.

Auch die Steinhoff-Gruppe ist ursprünglich ein deutsches Familienunternehmen, das 1965 gegründet wurde. Bruno Steinhoff ging 1997 nach Südafrika, wo der Konzern heute noch seine Zentrale hat. Er ist mittlerweile ein internationaler Mischkonzern, der zwei Drittel seiner Erträge aus dem Möbelhandel lukriert. Der Jahresumsatz liegt bei 6,8 Mrd. Euro, das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit wird mit 585 Mio. Euro angegeben. Das Unternehmen beschäftigt weltweit 80.000 Mitarbeiter.

Börsenotiz in Wien?

Und es ist seit 1998 in Johannesburg börsenotiert. Gemäß dem Plan, in Europa verstärkt Fuß zu fassen, überlegt CEO Markus Jooste auch eine Notiz an den Börsen in Frankfurt und in Paris. Ein Listing in Wien wird nun ebenfalls nicht ausgeschlossen.

 

(Die Presse - Printausgabe vom 26.06.2012)