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"Keine erfreuliche Situation für Energiesicherheit"

Symbolbild
"Keine erfreuliche Situation aus Sicht der Energiesicherheit"(c) REUTERS (HEINZ-PETER BADER)
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Russland-Experte Gerhard Mangott über die Konsequenzen des Aus für Nabucco, die Energiesicherheit und über die Fehler der EU.

Die Presse: Wie sehr schadet das Scheitern von Nabucco der OMV und Österreich?

Gerhard Mangott: Es ist ein Rückschlag für die OMV, ohne Zweifel. Aber der große Schaden liegt nicht im finanziellen Verlust oder am verlorenen Prestige. Die OMV wird nun nach neuen Lösungen suchen müssen, ihr eigenes Gas aus dem Schwarzen Meer nach Österreich zu bringen.

Und strategisch verliert Österreich wohl stark an Bedeutung.

Der Standort Baumgarten wird natürlich abgewertet. Statt zweier zusätzlicher moderner Pipelines, nämlich Nabucco und South Stream, bleibt die rostige Leitung aus der Ukraine. Das ist keine erfreuliche Situation aus Sicht der Energiesicherheit für den Osten Österreichs.

 

Noch ist die South Stream nicht fix. Vielleicht kann die OMV Gazprom noch einmal umstimmen?

Einen Versuch ist es wert. Die OMV und die Regierung könnten Gazprom wieder stärker umwerben. Ich fürchte aber, dass es für diese Strategie zu spät sein könnte. Man darf nicht vergessen, dass es in der Vergangenheit Irritationen zwischen Gazprom und der OMV gegeben hat. Gazprom hatte ein strategische Interesse daran, sich in Baumgarten einzukaufen. Dieser Plan ist an der EU gescheitert.

Warum hat sich Aserbaidschan für TAP und gegen Nabucco entschieden?

Ich denke, es sind vor allem wirtschaftliche Gründe. TAP bedeutet niedrigere Investitionskosten, man kann somit auch schneller Gewinne lukrieren. Italien ist ein Markt, auf dem man noch gute Preise erzielen kann. Darüber hinaus hat es das TAP-Konsortium geschickt verstanden, zusätzliche Absatzmärkte zu erschließen. Das Gas wird ja auch nicht nur nach Italien, sondern über Albanien auch nach Montenegro, Bosnien, Kroatien und über die Schweiz auch nach Deutschland fließen.

Und mit dieser Strategie kommt TAP auch den Russen weniger in die Quere.

Die balkanischen Absatzmärkte der TAP werden von South Stream nicht erschlossen. Vermutlich kann die Gazprom mit TAP besser leben als mit Nabucco. Schließlich hätte Nabucco Gas nach Bulgarien und Ungarn geliefert, die sehr stark von russischem Erdgas abhängig sind. Aber gerade diese Märkte möchte Gazprom mit South Stream versorgen. Mit Nabucco ist ein Wettbewerber verschwunden.

 

Hat man bei Nabucco schwere Fehler gemacht?

Ein großer Fehler war, dass man zu lange an einer viel zu groß dimensionierten Variante – nämlich 31 Milliarden Kubikmetern – festgehalten hat. Man ist mit dieser fixfertigen Röhre angetreten, obwohl Aserbaidschan das Gas vorerst nicht hat. Das Nabucco-Projekt zielte auch auf Gas von Turkmenistan und dem Irak ab. Das war von Anfang an nicht sehr realistisch. Erst spät ist man bei der Variante Nabucco-West, so wie TAP, auf eine skalierbare Pipeline umgeschwenkt. Mit dieser ist es auch möglich, geringere Mengen zu fördern.

 

Aber mit Nabucco stirbt nun nicht nur ein OMV-, sondern auch ein EU-Prestigeprojekt. Was bedeutet das für die Energieversorgung Europas?

Die Europäische Kommission hat in den letzten 18 Monaten eine Art Kindesweglegung betrieben. Man hat so getan, als wäre es egal, über welche Route das Erdgas nach Europa gelangt.

Und ist es tatsächlich einerlei?

Ich finde nicht. Nabucco hat natürlich aus Sicht der EU viel mehr Sinn. Vor allem, wenn man bedenkt, dass EU-Länder wie Rumänien, Bulgarien und Ungarn sehr stark von Russlands Gaslieferungen abhängig sind. Diese Länder hätten mit Nabucco natürlich besser diversifizieren können.

Mit anderen Worten: Es ist eine energiepolitische Niederlage für die EU.

Es gibt zumindest einen wirtschaftlichen Nutzen aus EU-Sicht: Griechenland erhält durch die TAP eine stabile Gasversorgung und lukriert als Transitland Einnahmen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.06.2013)