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Was ein Bastard mit gutem Management zu tun hat

Mont Saint Michel in der Normandie
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Kolumne "Hirt on Management": Folge 206. Was Manager aus einem Urlaub in der Normandie lernen können.

Vom Bastard ...

Bei einem Urlaub in der Normandie kommt man an ihm nicht vorbei. Die Rede ist von Wilhelm dem Eroberer (1027-1087) oder, bitte um Verzeihung, Wilhelm dem Bastard, wie er am Start seiner Laufbahn geheißen hat.

Ein wackerer Nordmann

William stammte aus einer skandinavischen Dynastie, die seit 911 die Normandie beherrschte. Er war der uneheliche Sohn des normannischen Herzogs Robert, aus seiner Beziehung mit der Tochter eines normannischen Gerbers. Daher auch der wenig schmeichelhafte Beinamen, der Bastard.

Ein frommer und weitsichtiger Vater

Sein Vater Robert sorgte aber dafür, als er auf eine Pilgerfahrt nach Jerusalem ging, dass Wilhelms Rechte als Nachfolger seines Vaters und Fürst der Normandie allseitig anerkannt wurden, von den meisten allerdings nur als Lippenbekenntnis.

Fürst Robert starb bereits im ersten Jahr seiner Pilgerreise 1035 in Nicäa. Das führte dazu, dass Wilhelm vom achten Lebensjahr bis zu seiner Großjährigkeit unter dem Schutz verschiedener Vormunde stand.

Unter dem Schutz der Vormunde

Und diesen Schutz hatte Wilhelm bitter nötig, denn es gab von verschiedenen Seiten zahlreiche Versuche bzw. gewaltsame Komplotte, um Wilhelm vorzeitig als zukünftigen Fürsten „ausscheiden“ zu lassen und das Fürstentum in andere Hände zu übertragen.

Ohne Kampf, kein Fürst

Seit seiner frühen Kindheit war Wilhelm daher bewusst, dass er nur mit einer Kämpfernatur, loyalen Weggefährten (z. B. seinen Vormunden, später seinen Baronen), Entschlossenheit, Tatkräftigkeit und dem nötigen Glück des Tüchtigen (aus seiner Sicht der göttlichen Vorsehung) bestehen konnte.

In den Jahren 1047 bis 1060 war er als Fürst mit einem mehrjährigen Aufstand in der Normandie und mit Angriffen von außen, nämlich des französischen Königs und seiner Gefolgsleute konfrontiert. In diesen 14 Jahren war er praktisch ununterbrochen im Krieg.

Gestärkt aus Konflikten hervorgegangen

Letztendlich gelang es Wilhelm sich in diesen 14 Jahren, sowohl nach innen, also innerhalb der Normandie, als auch nach außen, also gegenüber dem französischen König und seinen Gefolgsleuten, zu behaupten und gestärkt aus diesen Konflikten hervorzugehen.

1066, ein Schlüsseljahr der europäischen Geschichte

Nun überzeugte Wilhelm seine Barone, dass in England große Beute und Ländereien zu holen waren und setzte im Jahre 1066 mit einer Streitmacht von 5000 bis 10.000 Mann nach England über, wo er König Harold von England in der Schlacht bei Hastings am 14. Oktober 1066 entscheidend besiegte.

… zum Eroberer

Am Weihnachtstag des Jahres 1066 wurde Wilhelm, jetzt „der Eroberer“, in Westminster Abbey zum englischen König gekrönt. Er hielt seine Versprechen an seine Barone und es kam zu einem praktisch kompletten Austausch der Herrschaft im ganzen Lande von den angelsächsischen Baronen hin zu normannischen Baronen.

Sie werden jetzt fragen, was können Manager und Managerinnen daraus lernen?

Das Leben Wilhelm des Eroberers lehrt uns eine Reihe wichtiger Lektionen, die bis heute Gültigkeit haben:

  • Handlungsorientierung, Optimismus und Entschlossenheit sind ein wesentliches Merkmal erfolgreichen Managements. Schon Peter Drucker hat treffend formuliert: „Die entscheidende Frage des Managements ist immer: Was soll jetzt getan werden?“
  • Wer Außergewöhnliches erreichen möchte, der benötigt dazu ein loyales und kompetentes Team. Der beste Weg, dieses Team zu motivieren, ist die Eigeninteressen seiner Mitglieder anzusprechen. Wirksame Führungskräfte verstehen das und motivieren ihr Team entsprechend.
  • Wichtig ist auch, dass diese Führungskräfte verstehen, dass die Eigeninteressen und persönlichen Ziele nicht für jeden Menschen gleich, sondern sehr individuell und daher individuell anzusprechen sind.
  • Loyalität ist keine Einbahnstraße. Es geht um Reziprozität. Der Fürst kann nicht nur einfach Loyalität fordern, sondern er muss auch selber, die seinen Baronen gegebenen Versprechen halten. Es geht hier letztendlich um einen gegenseitigen, impliziten oder expliziten, Bund (covenant) und nicht einfach um einen Vertrag (contract). Das ist heute bei guter Führungsarbeit nicht anders.

Das Wichtigste in Kürze

Manager und Managerinnen können von Wilhelm dem Eroberer lernen, dass Handlungsorientierung, Optimismus und Entschlossenheit, in Verbindung mit einem loyalen und motivierten Team, gepaart mit der nötigen Prise Fortune, die Erreichung außergewöhnlicher Ziele und Ergebnisse ermöglichen kann.

In der nächsten Kolumne beschäftigen wir uns mit der Frage, was Manager aus einem Urlaub in der Normandie außerdem lernen können.

Schicken Sie Ihre Fragen an Michael Hirt an: karrierenews@diepresse.com

Die Fragen werden anonymisiert beantwortet.

Ausblick: Die nächste Kolumne von Michael Hirt erscheint am 24. August 2023 zur Frage: Was Manager aus einem Urlaub in der Normandie auch noch lernen können.

Hier finden Sie die gesammelten Kolumnen.

Michael Hirt ist Managementexperte und -berater, Executive Coach, Keynote Speaker und Buchautor. Hirt verhilft Führungskräften zu außergewöhnlichen Leistungs- und Ergebnissteigerungen, mit hoher Auswirkung auf den Erfolg ihres Unternehmens. Er studierte in Österreich, den USA (Harvard LPSF) und Frankreich (INSEAD MBA) und ist weltweit tätig.

Gastkommentare und Beiträge von externen Autoren müssen nicht der Meinung der Redaktion entsprechen.

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