Chronologie: Vom "System Kremsmünster" zum Prozess

Stift Kremsmuenster
Stift KremsmuensterDie Presse (Fabry)

Nach jahrelangen Ermittlungen steht der erste höhere Geistliche im kirchlichen Missbrauch-Skandal vor Gericht.

Seit über drei Jahren sind die Missbrauchsvorwürfe gegen Ordensmänner des Stiftes Kremsmünster in Oberösterreich öffentlich bekannt. Ein mittlerweile ausgetretener Pater wird nun angeklagt. Der 79-Jährige ist der erste höhere Geistliche, der sich im Zug der Missbrauchs-Affäre in der römisch-katholischen Kirche vor einem weltlichen Richter verantworten muss. Im Folgenden eine Chronologie der Ereignisse:

  • 1950er-Jahre - Es kommt zu Missbrauchsfällen, die erst im Laufe der aktuellen Affäre an den jetzigen Abt herangetragen werden. Die Vorwürfe richten sich gegen drei bereits verstorbene Patres.
  • 1962 bis 1998 - Der nun angeklagte Ex-Pater ist Lehrer bzw. Erzieher im Stiftsgymnasium in Kremsmünster, von 1970 bis 1996 sogar Internatsleiter, die Jahre 1973 bis 1993 sind für die Anklage relevant. Ex-Zöglinge beschreiben die Zeit als "System Kremsmünster", in dem Gewalt und sexuelle Übergriffe alltäglich gewesen seien.
  • 1970 - Nach Missbrauchs-Vorwürfen wird ein (anderer, Anm.) Geistlicher vom Schuldienst abgezogen.
  • 1995 - Der nun angeklagte Ex-Pater droht einem ehemaligen Schüler mit Selbstmord, sollte dieser öffentlich Vorwürfe erheben. Er soll auch rund 300.000 Schilling (rund 21.802 Euro) "Schweigegeld" bezahlt haben.
  • 2005 - Als erneut Vorwürfe auftauchen, wird ein weiterer Pater aus dem Schuldienst abgezogen.
  • 26. März 2007 - In Zusammenhang mit anderen Ermittlungen werden bei der Polizei erstmals auch Missbrauchsvorwürfe gegen den nun Angeklagten laut. Laut Abt habe er das im Kloster verheimlicht.
  • 18. April 2008 - Das Ermittlungsverfahren wird wegen Verjährung eingestellt.
  • 10. März 2010 - Nachdem er offenbar durch Medienrecherchen mit Missbrauchsvorwürfen gegen Mitglieder seines Ordens konfrontiert worden ist, enthebt Abt Ambros Ebhart drei Patres ihrer Ämter.
  • 11. März 2010 - In einem Artikel in den "Oberösterreichischen Nachrichten" berichtet ein Ex-Zögling, die drei Geistlichen hätten in den 1980er-Jahren Schüler geschlagen und sexuell missbraucht. Der Abt gibt eine Pressekonferenz, in der er Aufarbeitung verspricht.
  • 15. März 2010 - Einer der Patres übergibt der Staatsanwaltschaft Steyr eine schriftliche Sachverhaltsdarstellung. Zunächst wird gegen drei Beschuldigte ermittelt, zwei Verfahren werden später eingestellt. Vorwürfe gegen acht weitere Personen wegen körperlicher oder seelischer Gewalt werden als strafrechtlich nicht relevant oder verjährt eingestuft.
  • 24. März 2010 - Abt Ambros Ebhart zeigt bei der Polizei an, dass der Hauptverdächtige eine nicht registrierte Pumpgun bei ihm abgegeben habe, die er zuvor seit 15 Jahren besessen habe.
  • 22. Juni 2010 - Die Bezirkshauptmannschaft Kirchdorf verhängt ein Waffenverbot über den Pater.
  • 5. Juli 2010 - Das Landesgericht Steyr verfügt die Beschlagnahmung der Pumpgun. Sie wird vom Waffenamt als mögliche "Tatwaffe" (Nötigung, Drohung) geführt.
  • 2010 - Das kirchenrechtliche Verfahren gegen einen Beschuldigten (gegen den die Justiz das Verfahren eingestellt hat, Anm.) wird abgeschlossen. Er bekommt Auflagen und lebt seither sehr zurückgezogen im Kloster.
  • 4. März 2011 - Knapp ein Jahr nach Bekanntwerden der Vorwürfe haben sich 45 mögliche Opfer bei der Diözesanen Kommission gegen Missbrauch und Gewalt gemeldet.
  • 15. März 2012 - Der Hauptverdächtige tritt aus dem Kloster aus.
  • 6. Dezember 2012 - Ex-Zöglinge des Stiftsinternats bringen Zivilklage gegen das Stift ein. Sie werfen dem Abt vor, versprochene Zusagen - u.a. ein Eingeständnis der Mitwisserschaft - nicht eingehalten zu haben. Ein Urteil steht noch aus.
  • 11. Februar 2013 - Das Stift zieht in einer Pressekonferenz erneut Bilanz: 700.000 Euro wurden an Opfer bezahlt. 38 Fälle wurden bei der Klasnic-Kommission, eine Handvoll weiterer nur bei der Staatsanwaltschaft gemeldet.
  • 9. April 2013 - Die Staatsanwaltschaft Steyr gibt bekannt, dass sie Anklage gegen den 79-jährigen Hauptverdächtigen erhebt.
  • 1. Juli 2013 - Der Prozes gegen den ehemaligen Konviktsdirektor soll beginnen.
  • 3. Juli 2013: Der Angeklagte wird - nicht rechtskräftig - zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Inzwischen haben Anwälte der Opfer auch eine Anzeige wegen NS-Wiederbetätigung gegen den Mann und weitere "unbekannte Täter" eingebracht. Mehr ...

(APA)