Leitartikel

Tourismus ist keine Waffe, sondern Symbol der Freiheit

Russische Touristen kehren nach und nach an europäische Strände zurück.
Russische Touristen kehren nach und nach an europäische Strände zurück. picturedesk / Sergei Bobylev
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Offene Grenzen für russische Urlauber sind für viele zwiespältig, doch eigentlich sind sie die Chance der EU, ein Gegenmodell zum Krieg anzubieten.

Die Wahrscheinlichkeit, dass russische Touristen auf einen der rund 80.000 in Österreich lebenden ukrainischen Vertriebenen treffen, war nach Kriegsbeginn gering. Denn die Russinnen und Russen blieben aus. Doch die Voraussetzungen ändern sich, da Drittstaaten, Fluglinien und die Reisebranche immer mehr Wege einrichten, um russischen Staatsbürgern wieder Urlaube in EU-Destinationen zu ermöglichen. Dann werden russische Gäste – wozu sie in ihrer eigenen Heimat keine Gelegenheit haben – eines Tages mit den Opfern dieses Kriegs auch in Österreich zusammentreffen.

Was wird dann geschehen? Werden sie sich skeptisch beäugen, gemeinsam schweigen oder gar eine Debatte über diesen Krieg und seine Auswirkungen beginnen? Oder werden sie sich beschimpfen, vielleicht attackieren?

Es gehört ein gutes Maß an Naivität dazu, zu glauben, dass ein solcher Kontakt in Drittländern ausreichen könnte, dass sich russische Staatsbürger besinnen und von diesem Krieg distanzieren, mit einem Mal das durch ihre politische Führung verursachte Leid erkennen. Zwar werden sie ungewollt oder gewollt in Kontakt mit ukrainischen Vertriebenen treten, vielleicht sogar westliche Medien konsumieren, die ihnen ein ganz anderes Bild des Krieges vermitteln als die staatlich kontrollierten russischen Medien. Aber damit werden sie noch nicht Missionare des Friedens in ihrer Heimat.

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