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Chaos bei Hypo Alpe Adria: Vorstand Kranebitter tritt zurück

KRANEBITTER
KRANEBITTERAPA/HERBERT PFARRHOFER
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Kranebitter will noch bis zur Erstellung der Halbjahresbilanz bleiben. Gestern, Montag, war bekannt geworden, dass die Hypo zwei Milliarden Euro mehr an Staatshilfe brauchen wird.

Der Chef der staatlichen Krisenbank Hypo Alpe Adria, Gottwald Kranebitter, tritt zurück. Kranebitter hat Dienstagfrüh die Mitarbeiter und die Eigentümer darüber informiert. Bis zur Aufstellung der Halbjahresbilanz Ende August will er sein Amt noch ausüben, wie die Bank mitteilte. Sein Vertrag wäre noch bis 2016 gelaufen.

In einem offenen Brief begründet Kranebitter seinen Schritt. Seit dem heurigen März würden öffentlich Schließungsszenarien für die seit Ende 2009 notverstaatlichte Krisenbank debattiert. Dies und "undifferenzierte Kostenspekulationen" hätte "massiven Schaden verursacht und leider in wenigen Wochen große Teile der Sanierungsarbeit der vergangenen drei Jahre beschädigt", schreibt Kranebitter.  Damit sei auch die wirtschaftliche Situation gesunder Bankteile in Mitleidenschaft gezogen worden. Diese Entwicklungen machten es ihm "unmöglich, weiterhin als Vorstandsvorsitzender meinen Ansprüchen zu folgen und meine Aufgabe unter diesen Rahmenbedingungen weiterzuführen", so Kranebitter.

Dass ihm ein Abgang nahegelegt worden wäre, wurde von Eigentümerseite dementiert. Die Rücktrittsabsichten sollen dem Eigentümer Staat seit Wochen bekannt gewesen sein

Mehr Staatshilfe

Gestern, Montag, war zudem bekannt geworden, dass die Hypo wesentlich mehr Staatshilfe brauchen wird, als bisher angenommen. Schon für die Erstellung der Halbjahresbilanz wird der Staat Geld zuschießen müssen, damit die Bank nicht unter die vorgeschriebenen Eigenkapitalquote fällt.

Grund ist der neue Sanierungsplan, den die Regierung vergangenes Wochenende bei der EU-Kommission eingereicht hat. Laut diesem muss die Hypo nun schon zum Halbjahr faule Kredite abschreiben. "Es ist im Pfad vorgesehen, dass wir noch Geld für die Hypo bereitstellen", sagte Finanzministerin Fekter (ÖVP) diesbezüglich.

"Viel viel günstiger"

Fekter geht davon aus, dass die derzeit (ursprünglich für das ganze Jahr) budgetierten 700 Millionen Euro zumindest für die Halbjahresbilanz der notverstaatlichten Hypo Alpe-Adria-Bank ausreichen. Für das gesamte Jahr ist laut Insidern mit zwei Milliarden Euro zusätzlicher Staatshilfe zu rechen.

Ihre Vorgehensweise im Fall der Kärntner Pleitebank verteidigte Fekter: Man habe seit der Notverstaatlichung ein Drittel der Haftungen des Landes Kärnten abgebaut und dafür gesorgt, dass der nun geplante Verkauf der Tochterbanken "in ruhigen Gewässern" stattfinden könne. "Hätten wir früher den Abbau vorangetrieben, hätte es ein Drittel mehr gekostet", versicherte Fekter. Und in jedem Fall sei die nun gewählte Vorgehensweise "viel, viel günstiger" als es eine Pleite der früheren Kärntner Landeshypo gewesen wäre, weil man in diesem Fall die Haftungen des Landes Kärnten hätte auffangen müssen.

Schieder: "Keine Tragik"

Vom unmittelbar vor Beginn der Regierungssitzung bekanntgegebenen Rücktritt Kranebitters erfuhr die Ministerin nach eigenen Angben von den dort wartenden Journalisten. "Zu mir als Eigentümerin ist das noch nicht gedrungen", sagte die Finanzministerin und erklärte, den Rücktritt nur aus Gerüchten zu kennen. Auf einen etwaigen Nachfolger wollte sie sich nicht festlegen: Mit der Suche nach einem neuen Vorstand werde sich der Aufsichtsrat beschäftigen. Sie werde das Thema mit dem Aufsichtsrat besprechen.

SPÖ-Finanzstaatssekretär Andreas Schieder nannte den Rücktritt von Kranebitter "nicht hilfreich". Eine besondere Tragik sei es aber auch nicht, da die Bank ja nicht nur von einer einzigen Person geführt werde.

Kranebitter war seit April 2010 im Amt, sein Vertrag war erst heuer im März für drei Jahre verlängert worden.

(APA/md)