Schuldenkrise holt Börsen ein

Schuldenkrise holt Boersen
Schuldenkrise holt Boersen(c) EPA (PATRICK SEEGER)
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Sorgen um Portugal und Griechenland sowie schwache Wirtschaftsdaten aus China ließen am Mittwoch vor allem Bankaktien fallen.

Wien/B.l. Die europäische Schuldenkrise ist längst nicht überwunden. Die Börsen schenken ihr zwar nicht immer gleich starke Beachtung, schlechte Nachrichten sorgen aber immer wieder für Ausschläge nach unten. So passierte es auch am gestrigen Mittwoch, als die Investoren gleich mit mehreren beunruhigenden Nachrichten aus Europa konfrontiert wurden: In Portugal könnte die Regierung nach den Rücktritten zweier Minister auseinanderbrechen. Und auf Griechenland haben die Gläubiger den Druck erhöht, die vereinbarten Reformen umzusetzen (siehe Seite 8).

Bankaktien stürzen ab

Dazu kamen enttäuschende Konjunkturnachrichten. Die Wirtschaftsstimmung im Euroraum hat sich im Juni weniger stark verbessert als erwartet. Nicht nur das Krisenland Italien enttäuschte dabei, sondern auch Deutschland. Aus China wurden ebenso schwache Einkaufsmanagerindizes veröffentlicht, die auf ein sich verlangsamendes Wirtschaftswachstum schließen lassen– was unangenehm für die deutsche Exportwirtschaft wäre. Besonders schlimm erwischte es wieder einmal die europäischen Bankwerte. Grund war nicht nur die neu aufgeflammte Sorge wegen der Schuldenkrise, sondern auch die Tatsache, dass die US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) die Bewertung der Kreditwürdigkeit einiger Großbanken am Vorabend gesenkt hatte.

Am Mittwoch fiel die Aktie der angeschlagenen Commerzbank in Frankfurt zeitweise auf 5,8 Euro und damit auf ein Rekordtief. Auch die französische BNP Paribas und die niederländische ING mussten Federn lassen. In Wien rutschten sowohl Raiffeisen als auch Erste Bank deutlich ab. Die Erste Bank führt derzeit eine Kapitalerhöhung durch, hat jedoch schon 660 Mio. Euro bei institutionellen Investoren platziert (teilweise mit Vorbehalt, falls Altaktionäre bei der Kapitalerhöhung noch mitziehen wollen).

Das Papier des Ziegelherstellers Wienerberger setzte seinen Abwärtstrend fort. Unter den Verlierern fanden sich zudem die Immobilienwerte CA Immo, Immofinanz und Conwert. Das Scheitern des Börsegangs der Deutschen Annington(siehe Artikel unten) drückte die Stimmung für den Sektor.

Von ihren Höchstständen haben sich die wichtigsten Börsenbarometer ein Stück weit entfernt. Der DAX liegt acht Prozent, der Dow Jones drei Prozent unter dem heuer aufgestellten Rekord. Der ATX hat seit 2007 keinen Höchststand mehr erreicht. Gegenüber der Marke von 2550 Punkten, die er im heurigen März erreicht hatte, hat sich der bankenlastige Index schon wieder um 15 Prozent entfernt.

Kaum positive Impulse

Mit dem Crash vor zwei Jahren, als die Sorge um die Euroschuldenkrise neu aufflammte, die Staatsanleihenrenditen der Krisenländer Rekordstände erreichten und die Börsen abglitten, ist die derzeitige Korrektur freilich nicht zu vergleichen. Doch fehlen den Aktienmärkten die Impulse, die für weitere Höhenflüge nötig wären.

Für etwas positivere Stimmung sorgten am Nachmittag Konjunkturdaten aus den USA: Dort fiel nicht nur die Zahl der Neuanträge auf Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche niedriger aus als erwartet. Auch der private Arbeitsmarktdienstleister ADP meldete einen überraschend starken Stellenaufbau im Juni.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.07.2013)

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