War Eklat um Morales-Flieger Finte von Moskau?

Eklat MoralesFlieger Finte Moskau
Morales landet in a Paz(c) EPA

"Eine der größten Blamagen der US-Außenpolitik": Ex-Verfassungsschützer Polli vermutet, dass die USA vom russischen Geheimdienst vorgeführt wurden. Morales ist indes in La Paz gelandet.

Die unfreiwillige Landung des bolivianischen Präsidenten Evo Morales in Wien könnte auch eine Finte russischer Geheimdienste sein. Das vermutet zumindest der frühere Chef des Bundesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT), Gert-Rene Polli.

Der Umstand, dass der Geheimdienst-Aufdecker Edward Snowden nicht an Bord der Maschine des bolivianischen Präsidenten war, spreche für eine "russische operative Maßnahme der dortigen Nachrichtendienste, vor allem, um die Amerikaner vorzuführen und zu täuschen", sagte Polli am Mittwochabend in der Sendung "Journal Panorama" des ORF-Radiosenders "Ö1". "Das ist eine der größten Blamagen amerikanischer Außenpolitik und Dienstearbeit, die ich je gesehen hab."

Dass die Überflugsroute für das Flugzeug von Morales von mindestens drei Nato-Staaten nicht genehmigt worden sei, lasse befürchten, "dass der amerikanische Präsident seine Diplomaten in Marsch gesetzt hat, zumindest in Richtung Europa". Hintergrund war, dass der von den USA per Haftbefehl gesuchte Whistleblower Edward Snowden fälschlicherweise an Bord der Maschine vermutet worden war.

Frankreich entschuldigt sich

Frankreichs Präsident Francois Hollande hat sich mittlerweile bei Boliviens Präsident Evo Morales telefonisch entschuldigt. Hollande erklärte, es habe "widersprüchliche Informationen" über die Passagiere an Bord gegeben. Als er aber erfahren habe, dass es das Flugzeug des bolivianischen Präsidenten gewesen sei, habe er unverzüglich die Überfluggenehmigung erteilt, sagte Hollande in Berlin.

Morales selbst ist mittlerweile in La Paz gelandet. Über Lateinamerika fegt wegen der erzwungenen Zwischenlandung ein Sturm der Entrüstung: Noch heute soll  wegen des Eklats ein Südamerika-Gipfeltreffen stattfinden (-->mehr dazu). "Das war eine offene Provokation gegen einen ganzen Kontinent und nicht nur gegen einen Präsidenten", sagte Morales bei seiner Rückkehr.