Museen: Gehrer will Zweiten Geschäftsführer

Bildungsministerin reagiert auf Rechnungshof-Kritik bei Prüfung des Kunsthistorischen. Endbericht diesen Donnerstag erwartet.

Mit der Installierung eines 2. Geschäftsführers für große Bundesmuseen will Bildungsministerin Elisabeth Gehrer laut Informationen aus dem Umfeld der Regierung Kritik entkräften, die vor allem bei der Prüfung des Kunsthistorischen Museums durch den Rechnungshof entstanden ist. Der Endbericht über den Zustand des größten österreichischen Museums wird erst Donnerstag oder Freitag erwartet, Details aus dem Rohbericht haben jedoch seit Monaten für hitzige politische Debatten um KHM-Generaldirektor Wilfried Seipel gesorgt. Grüne und SPÖ fordern seinen Rücktritt wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten. Mit Veröffentlichung des RH-Papiers wird nun eine hitzige Debatte nicht nur über Seipel, sondern auch über das Museumskonzept Gehrers und die Sinnhaftigkeit der Vollrechtsfähigkeit von Bundesmuseen erwartet, die seit Ende der Neunzigerjahre realisiert wurde.

Geprüft hat der RH das Museum in der Phase der Umstellung von einer staatlichen Institution zu einem eigenständigen Unternehmen, von 1998 bis 2002. Nach Meinung des KHM-Kuratoriums, einer Art Aufsichtsrat, konnte viel an Detailkritik in den Stellungnahmen entkräftet werden, von der Finanzierung des Dienstautos über den Einkauf von Klein-Statuen bis zur Dokumentation von Flugtickets und Taxi-Rechnungen. Vor allem der Vorwurf des RH, dass falsch bilanziert wurde, sei "sicher nicht zutreffend. Es hat keine strafrechtlichen Handlungen, keine persönliche Bereicherung, kein fahrlässiges Verhalten gegeben", sagte ein Kuratoriumsmitglied. Allerdings habe es eine Reihe von Fehlern gegeben. "Man hätte sich stärker auf die Präsentation der Bestände konzentrieren sollen."

Die Museumsleitung sei in einigen Punkten auf die Kritik eingegangen. Das Palais Harrach, das unter Seipel als Ausstellungsort angemietet wurde, sei wieder aufgegeben worden. "Das Harrach steht pars pro toto für die Fehler", meinte ein Kuratoriumsmitglied und gab damit indirekt den Kritikern Recht, die dem Generaldirektor vorwarfen, seinen Einflussbereich auszudehnen, andere Museen dem seinen einzuverleiben. Kritisiert wurde auch, dass Seipel für Kunststaatssekretär Franz Morak im KHM eine Geburtstagsfeier ausrichtete, dass eine 3,8 Millionen Dollar teure Sphinx auf Raten angekauft wurde, über einen spanischen Geschäftsmann. Das wird vom Kuratorium als Detail abgetan. Allerdings kann man sich mit dem Engagement eines 2. Geschäftsführers anfreunden, der dem Generaldirektor die Verwaltung abnimmt. Seipel selbst empfindet diesen Vorstoß Gehrers auf Anfrage der "Presse" als Entlastung.


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