Evaluierungsbericht: Hausaufgaben: Bauen und Forschen

Elisabeth Gehrer hat sieben Bundesmuseen auf ihre Leistung prüfen lassen. Die Ministerin sieht die Politik der Ausgliederung bestätigt, verspricht eine Art Ausgleichsfonds.

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ie Vollrechtsfähigkeit war der rich tige Schritt." Zufrieden präsentier te Bildungsministerin Gehrer am Montag in Wien eine von ihr in Auftrag gegebene Studie, in der die seit 1998 in die Autonomie entlassenen Bundesmuseen evaluiert werden. ("Die Presse" berichtete vorab über die wichtigsten Punkte dieses Papiers in der Montagausgabe). Es habe eine sehr positive Entwicklung gegeben, sagte Gehrer, allerdings müssten "Hausaufgaben" gemacht werden. Vor allem die Forschungsleistungen müssten noch verbessert werden. Die Ministerin stellte eine Erhöhung der seit 1998 gedeckelten Basisabgeltung (89,35 Mio. Euro) ab dem Jahr 2007 in Aussicht. Es werde nun auch noch eine betriebswirtschaftliche Studie geben. Weitere bauliche Investitionen seien nötig, zudem denke sie an einen Ausgleichsfonds, in den die geplanten Erhöhungen fließen: "Eine lineare Erhöhung (für alle Museen) wäre wahrscheinlich nicht gerechtfertigt."

Auch der Leiter des Evaluierungsteams, Bernhard Graf vom Preußischen Kulturbesitz Berlin, schwärmte von der vorbildlichen Museumslandschaft in Wien. Man klage auf sehr hohem Niveau. "Die österreichischen Museen stehen international sehr gut da."

Die Opposition hingegen reagierte mit Häme. Der Kultursprecher der Grünen, Wolfgang Zinggl, sprach von Mummenschanz. "Die gesamte Studie ist eine Lachnummer." Es handle sich um eine bestellte Jubel-Schrift. SPÖ-Kultursprecherin Christine Muttonen: "Die Evaluierung geht an den Kernfragen völlig vorbei. Ein Gesamtkonzept ist nach wie vor nicht erkennbar." Kritisiert wurde an der 100.000 Euro teuren Studie vor allem, dass die Direktoren selbst die für die Öffentlichkeit anonymen Prüfer vorschlagen durften.

Die wesentlichen Punkte der Studie:

[*] Das Kunsthistorische Museum hat ein exzeptionell hohes Prestige und mit 95 Prozent den höchsten Bekanntheitsgrad, vor dem Naturhistorischen (90%) und dem Technischen Museum (84%). Empfohlen wird dem KHM professionelleres Marketing, auch leidet das Haus unter Platznot. Es fehlen Räume für Wechselausstellungen.

[*] Die Albertina glänzt mit hohen Besucherzahlen und hat eine außergewöhnlich erfolgreiche Ausstellungstätigkeit. Vernachlässigt werden die wissenschaftlichen Aktivitäten, die nicht auf Ausstellungen bezogen sind. Eine Erhöhung der Basis-Dotierung wird vorgeschlagen. Es muss in Sammlungen investiert werden können.

[*] Das Museum für angewandte Kunst (MAK) zählt zu den fortschrittlichsten Museen mit internationaler Bedeutung. Auch hier ist eine Anhebung der Basisabgeltung nötig. Ankäufe werden als zufällig kritisiert.

[*] Das Museum moderner Kunst hat in der Vermittlung einen hohen internationalen Standard. Die Raumbedingungen sind nicht optimal. Man kann das Potenzial der Sammlung nicht ausschöpfen.

[*] Die Österreichische Galerie Belvedere braucht verbesserte strategische Planungen, mehr Internationalität. Positiv: Studien, Sponsoring, Kontakte zu Sammlern.

[*] Das Naturhistorische Museum ist bei den Touristen zu wenig bekannt, ist aber ein Kulturgut von hohem Wert. Nötig ist die Anwendung neuer Medien, die Verbesserung der internen Kommunikation. Die Raumnot verhindert Blockbuster-Ausstellungen.

[*] Das Technische Museum setzt überzeugende Schwerpunkte bei Sonderausstellungen. Die langjährige Schließung erschwert aber das Knüpfen internationaler Beziehungen. Man muss einen Forschungsplan erarbeiten, sich um Touristen bemühen.


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