Der große Wiener Schauspieler Leon Askin starb im Alter von 97 Jahren.
Er war älter als Hollywood. Am 3. Juni 2005 ist in Wien im 98. Lebensjahr der Filmstar und Theatermann Leon As kin gestorben. Bis zuletzt war er aktiv, las regelmäßig im Schauspielhaus zur Weihnachtszeit den "Scrooge" von Charles Dickens. Er genoss den Auftritt. Voller Elan feierte er vor zwei Jahren sein 75-jähriges Bühnenjubiläum. Da war er eben erst wieder verheiratet. "Ich bin froh, dass ich so alt geworden bin, und ich möchte noch länger leben, vielleicht bis hundert. Aber das bestimmt der liebe Gott", sagte Askin bei dieser Gelegenheit. "Carpe diem" war das Motto dieses großen Schauspielers, der auch alle Tiefen des Lebens auskosten musste. Seine jüdischen Eltern wurden von den Nazis ermordet, er selbst ist dem Tod mehrmals nur knapp entronnen.
Askin, am 18. September 1907 in Wien als Leon Aschkenasy geboren, zählt zu den wenigen Österreichern mit internationalem Format. In den USA, wohin er 1940 über Paris flüchtete, war er als Regisseur und Darsteller hoch angesehen. Sein Debüt am Theater in der Josefstadt gab er 1928. Da wirkte noch Max Reinhardt in der Stadt.
1952, nach dem Krieg und dem Militärdienst für die USA, begann Leon Askin seine Karriere bei den laufenden Bildern: In dieses Jahr fiel sein erster Auftritt in einer TV-Serie (eine längst vergessene Agenten-Ehepaar-Reihe namens "Biff Baker, U.S.A.") und beim Film - in Budapest antwortet nicht mit Dana Andrews hatte er einen Kurzauftritt als "Franz, thug", ein Schläger, wie die Credits knapp vermerken. Im Laufe seiner Karriere blieb Askin meist Nebenrollen treu, sein Aussehen, seine markante Statur, die in bemerkenswertem Gegensatz zu seinem oft subtilen Spiel stand, prädestinierten ihn für kleinere Charakter-Parts. Allerdings bald in berühmteren Filmen: 1953 war er an der Seite Richard Burtons dabei, als sich Hollywood mit Das Gewand zum ersten Mal am Breitwand-Format versuchte, und unvergesslich ist sein komischer Auftritt als Kommunist Peripetchikoff neben James Cagney in Billy Wilders hochrasanter Ost-West-Satire Eins, zwei, drei (1961).
Unvergesslich blieb er weltweit aber vor allem als Star der Fernsehserie "Hogan's Heroes" in den späten 60ern, sein Infanteriegeneral Albert Burkhalter wurde zur Kultfigur. Als "Akzentschauspieler", wie er es selbst nannte, spielte er weiterhin Figuren aller Nationalitäten, "nur keine Amerikaner", wirkte in über 70 Kino-Filmen mit, stets im Wechsel zwischen Bühne, Fernsehen - etwa bei "Kottan ermittelt" - und Kino. Seine letzte Rolle hatte er 2001 in Houchang Allahyaris schwarzer Altersheim-Komödie Ene mene muh - und tot bist du. Nach seiner endgültigen Rückkehr nach Wien 1994 - er gab zuvor schon viele Gastspiele in Europa und war ein Publikumsliebling auf Wiener Bühnen - war er in Joshua Sobols "Alma" zu sehen, als Tschang in "Das Land des Lächelns" in der Volksoper.
"Seid alle still, hier kommt mein Profi", hat der große Billy Wilder am Set über den großen Leon Askin gesagt. Ein schönes Kompliment für den "Mann mit den 99 Gesichtern". Seid alle still. Der Profi ist tot.