Porsche Panamera: Schöner wohnen in Geschwindigkeit

Panamera
Panamera(C) WERK
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Die erste Halbzeit des Panamera ist um, die zweite Generation des Gran-Turismo-Porsche tritt an, auch wenn man das nicht auf den ersten Blick erkennt.

Es gibt einen Ort, an dem dieses Auto zur Gänze in seinem Element ist, auf beiläufige, aber doch auch ergreifende Weise. Dieser Ort ist eine Geschwindigkeit, sagen wir: so um die 250 km/h auf deutscher Autobahn (damit niemand was Falsches denkt). Die Reisegesellschaft an Bord ist ins Gespräch vertieft, manch einer lugt gelegentlich zum Tacho, aha, 250, das Normalste auf der Welt.

So wirkt es jedenfalls in diesem Auto. Der Drehzahlmesser deutet noch Spielraum an, der Motor ist keineswegs dabei, sich zu verausgaben. Die Karosserie kämpft nicht gegen den Fahrtwind, sie lässt sich aerodynamisch streicheln wie eine zufriedene Katze. Sichtbar macht das der Spaltflügel, der sich aus dem Heck automatisch entfaltet und den Auftrieb an der Hinterachse reduziert. Die Lenkung scheint den Blicken zu folgen.

Pirat auf der Überholspur

Nun gibt es nicht viele Gelegenheiten, bei strammen 250 und unauffälligem Ruhepuls Betrachtungen über ein Auto anzustellen. Auch nicht auf deutschen Autobahnen: Hinter der nächsten, spätestens übernächsten der weit gewundenen Kurven wird wieder ein Lieferwagen unbekümmert ausscheren und die Überholspur entern wie ein bloßfüßiger Pirat, der sich mit Machete in der Hand auf einen US-Zerstörer verirrt hat.

So prallen die Welten aufeinander, oder prallen eben nicht, weil man sich bei dem Tempo besser nicht überraschen lässt, und weil die Bremsanlage des Autos selbstredend von höchster Güte ist. Solcherart nämlich, dass sogar ein gemessenes Bremsmanöver hohen Genuss bietet: pure Negativ-Akzeleration ohne geringstes Nicken der Karosserie. Diese Beschleunigung dosiert man ebenso exakt wie mit dem Gaspedal, nur dass man es eben mit dem Bremspedal tut, den ganzen Weg von 250 auf 110. Unter höflicher Einhaltung eines geziemenden Abstands wartet man, bis der Lieferwagen sich am noch Langsameren vorbeigestrampelt hat, um hernach Fahrt aufzunehmen und die Uhr wieder auf 250 zu stellen. Das ist erlaubt, im artgerecht gehaltenen Panamera sogar geboten.

Diskussionen über Ästhetik – da reden wir meist von der Heckpartie – hat der Panamera vielleicht bis heute noch nicht gänzlich für sich entschieden, aber als er Ende 2009 auf den Markt kam, war das Mikrosegment der schnellen Reisewagen (der Kenner sagt Gran Turismo dazu) erst neu gegründet. Um ihn dort nicht ganz allein zu lassen, hat BMW eigens das 6er Gran Coupé in die Schlacht geworfen. Denn Porsche hat aus der elitären Nische eine gefragte Klasse gezimmert: In weniger als vier Jahren verkauften sich vom Panamera 100.000 Exemplare.

Das anstehende Facelift ist erwartungsgemäß behutsam ausgefallen, man muss es fast mit Vorher-nachher-Bildern studieren. Am ehesten fällt das Heck ins Auge: die Scheibe wurde verbreitert und trägt so am prominentesten zum allgemein in die Breite zielenden, satteren Eindruck bei.

Größere Umwälzungen haben im Motorraum stattgefunden. Das betrifft nicht den Einstiegs-V6 mit 3,6-Liter-Hubraum, der nun 310 PS (statt 300 ) hat, sondern ein beeindruckendes Beispiel von Downsizing: Der Panamera S hat keinen 4,8-Liter-V8 mehr, sondern einen V6 mit drei Litern Hubraum und Biturbo-Aufladung. Dennoch gibt es mehr Leistung (+ 20 PS) und Drehmoment (+ 20 Nm) bei fast zwei Litern weniger Verbrauch laut Norm (8,7 l/100 km). An der Ampel schweigt das Aggregat, und auf der Autobahn lässt sich segeln, wenn man sanft vom Gas geht. Steigt man aber hinein, findet man mit größter Mühelosigkeit zur eingangs erwähnten Reisegeschwindigkeit. Wenn es nicht die Opulenz eines Achtzylinders sein muss, ist dieser 420-PS-V6 die Idealmotorisierung des neuen Panamera, zumal als 4S mit Allradantrieb.

Weniger groß dürfte in unseren Breiten die Nachfrage nach der neuen Executive Option sein, zu haben für 4S und Turbo: 15 Zentimeter mehr Radstand, die zur Gänze dem Fond zugute kommen. Dort können (wohl hauptsächlich) Chinesen nun die Beine ausstrecken, ohne die Vordersitze zu berühren. Der S Hybrid (416 PS, 3,1 l/100 km laut NEFZ) wiederum hat bei uns trotz erstaunlicher Talente (wir berichteten ausführlich) wenig Chancen, weil es ihn nicht mit Allradantrieb gibt.

Die Reise zum Panamera wurde großteils von Porsche finanziert.

Auf einen Blick

Porsche Panamera

V6 (300 PS): ab 96.720 Euro.

Allrad: 103.180 Euro.

Diesel (300 PS): 92.210 Euro.

V6-Turbo (420 PS): 118.100 Euro.

Panamera S E-Hybrid (416 PS): 112.900 Euro. [Werk]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.07.2013)

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