Der Schauspieler Herbert Föttinger wird als Josefstadt-Direktor ab 2006 lanciert. Von wem, warum?
Wer als Direktor favorisiert wird, verwandelt sich in einen solchen. Besonders für einen Schauspieler ist das keine Kunst: Ob Karlheinz Hackl, Michael Schottenberg, Andrea Eckert - oder jetzt Herbert Föttinger: Ein Ruck geht durch die Persönlichkeit, Erscheinung, Bekleidung, Mienen, Brille, alles scheint plötzlich im Dienste der neuen Rolle zu stehen: der Künstler als Prinzipal.
Seit Jahren wird über die Umwandlung der Josefstadt GmbH in eine Stiftung verhandelt. "Juristische Gründe" verzögerten das nun wieder vor seinem Abschluss stehende Vorhaben. Tatsächlich ging es um Handfestes: Sicherung der Subvention, der Firmenpensionen - und, das ist wohl die letzte Bedingung der Gesellschafter, die ja der Auflösung der Gesellschaft zustimmen müssen: Herbert Föttinger als Direktor ab 2006. Eine typisch wienerische Lösung.
Ruft man sich die Peinlichkeiten der jüngeren Zeit ins Gedächtnis, kann man verstehen, dass alle Beteiligten vorsichtig geworden sind: Beinahe-Konkurs, Rettung in letzter Minute, Gezerre bei der Ausschreibung. Hackl wurde als logischer Lohner-Nachfolger ausgebootet, Hermann Beil sagte ab, Hans Gratzer, schließlich bestellt, wurde nach wenigen Monaten abgesetzt.
Nun will die sympathische, künstlerisch verschlampte Josefstadt zur Ruhe kommen. Die meisten Gesellschafter (Robert Jungbluth, 77; Heinrich Kraus, 81; Doris Stoß, 79) sind betagt. Direktor Helmuth Lohner (71) möchte lieber (lukratives) Musiktheater inszenieren als auf der Bühne stehen - und der kaufmännische Direktor Alexander Götz (40)? Hofft auf das Ende der ständigen ökonomischen Balanceakte.
Also sehen wir nach der Josefstadt-Tragödie und der Josefstadt-Farce nun das Josefstadt-Lustspiel. Herbert Föttinger (44), zunächst zurückhaltend, wird von manchen Medien favorisiert, gibt Interviews, erzählt, was ein Josefstadt-Chef so machen müsste, wenn . . . Die alten Hasen im Hintergrund haben ihrem jungen Kollegen die Rutschen gelegt. Föttinger inszenierte als Weihnachts-Premiere Nestroys "Kampl" mit Lohner und Otto Schenk, sein Regie-Debüt, nicht übel, nur: Kein Hahn würde nach dieser Aufführung krähen, wenn nicht Lohner und Schenk spielen würden. Und während (wie auch im "Presse"-Interview mit Lohner, Götz im November 2004) keiner ein Hehl daraus macht, wen das Haus will, nämlich Föttinger, wundert sich der mutmaßliche Spiritus Rector der gesamten Josefstadt-Lösung inklusive Föttinger, Robert Jungbluth, ehemals Bundestheater-Generalsekretär und kaufmännischer Direktor der Josefstadt, in der APA, wer denn nun da so einen Druck mache mit der Direktoren-Bestellung. Die Subventionsgeber, Bund und Stadt Wien, sehen zu. Was tun? Nochmal ausschreiben? Zurück zur Farce?
Fazit: Föttinger hat beste Chancen. Er kennt das Haus, das Haus kennt ihn. Ein großer Schauspieler war er nie, aber er war einige Male sehr gut, speziell bei Raimund, Nestroy. Als Theaterdirektor oder Regisseur hat Föttinger keine Erfahrung. Große Sprünge sind von ihm nicht zu erwarten, aber die sind ja wohl auch kaum erwünscht. Und ob sie notwendig sind, das wird sich unter Föttinger erweisen. Insofern ist er der Erste, der die Folgen seines Ehrgeizes spüren wird, im Positiven wie im Negativen. Und wir können erfahren, ob Prinzipal sein wirklich jeder kann, der viel spielt, Lust auf den Job hat - und entsprechende Fortüne.