Das war die Regierung Faymann I

Regierung Faymann
Regierung Faymann(c) APA/BKA/ANDY WENZEL (BKA/ANDY WENZEL)
  • Drucken

Der Kanzler verbrauchte zwei ÖVP-Chefs und überstand alle Krisen seiner Amtszeit fast unbeschadet. Mit viel Steuergeld, Sitzfleisch und Glück.

Wien. Es war ein Abschied in Stille. Nach der Ministerratssitzung diese Woche, der letzten vor der Sommerpause, meldeten sich SPÖ und ÖVP inoffiziell in den Wahlkampf ab. Zwei Sitzungen sind zwar noch geplant, doch in Wahrheit ist die Zeit der Regierung Faymann I abgelaufen. Was bleibt?

Überschattet war diese Legislaturperiode – die erste, die fünf Jahre dauerte – von der Wirtschaftskrise, die nach der Lehman-Pleite 2008 auch Europa erfasst hatte. Gleich zu Beginn ihrer Amtszeit schnürte die neue Regierung zwei Konjunkturpakete und beschloss eine Steuerreform. Seither rühmt sie sich ihrer Krisenintervention.

Tatsächlich steht Österreich vergleichsweise gut da. Die Arbeitslosenquote von 4,9 Prozent ist die niedrigste in der EU (wobei man davor schon unter den Besten gewesen ist). Doch der Preis dafür war hoch. Zwei Sparpakete samt neuen Steuern wurden geschnürt. Ende 2012 erreichten die Staatsschulden dennoch Rekordniveau.

Parteipolitisch waren die vergangenen fünf Jahre nicht minder turbulent. Werner Faymann verbrauchte zwei ÖVP-Chefs – mit dem dritten verbindet ihn nicht gerade eine innige Freundschaft. Wilhelm Molterer verlor die Wahl und musste gehen. Der extrovertierte Josef Pröll rückte dem außerhalb der „Kronen Zeitung“ eher passiven Kanzler gefährlich nahe. Doch seine populären Versprechen hielten der Realität nur selten stand („Read my lips: Keine neuen Steuern.“). Im April 2011 übergab Pröll, gesundheitlich angeschlagen und im Konflikt mit Teilen seiner Partei, an Michael Spindelegger. Faymann war längst wieder obenauf.

Der neue Vizekanzler bildete sein Regierungsteam um und hatte bald mit Skandalen zu kämpfen: Die Telekom-Affäre und Ernst Strasser, Politiker und Teilzeit-Lobbyist, stürzten die ÖVP in eine schwere Krise. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache sah sich schon ermutigt, ein Duell zwischen ihm und Faymann auszurufen.

Und der Kanzler? Der saß seine Krisen aus. Die Inseratenaffäre, die noch nicht ganz ausgestanden ist, schadete ihm nur marginal. Und auch die Schlappe beim SPÖ-Parteitag 2012 – nur 83,4 Prozent – schüttelte Faymann fast schon in Vranitzky-Teflon-Manier ab. Michael Häupl und die anderen Länderchefs hielt er mit Zugeständnissen bei Laune. Und wenn die Gewerkschafter murrten, zettelte der Kanzler eine Vermögensteuerdebatte an. Das zog immer. Auch mangels personeller Alternativen.

Höchst bemerkenswert war Faymanns Wandlung in der Europapolitik: Während der Eurokrise mutierte er vom EU-Skeptiker zu einem fast schon euphorischen Europäer, der seine Prämisse, keine EU-Vertragsänderung ohne Volksabstimmung, vergessen hatte.

Kontinuität bewies der Kanzler dafür in der Personalpolitik. In fünf Jahren tauschte er nur einen Minister aus: Gerald Klug löste im heurigen März Norbert Darabos ab. Der Schachzug war nicht ungeschickt: Nach der Schlappe bei der Wehrpflicht-Volksbefragung war Darabos als Verteidigungsminister untragbar geworden. Da traf es sich gut, dass der SPÖ-Chef in der Parteizentrale einen erfahrenen Wahlkampfmanager brauchte. Laura Rudas und Günther Kräuter waren nicht nur unerfahren in dieser Disziplin, sondern auch heillos zerstritten. Auch das hat offenbar Tradition: Im Pressebüro des Kanzleramts herrschte ein reges Kommen und Gehen. So viele PR-Spezialisten wie Faymann hatte vermutlich nicht einmal Tony Blair.

Folgt das Kabinett Faymann II?

Die persönliche Bilanz des Kanzlers ist derzeit auf Plakaten zu lesen: „Stürmische Zeiten. Sichere Hand.“ Faymann inszeniert sich als Staatsmann, den nichts erschüttern kann. Auch keine schlechten Landtagswahlergebnisse. Denn abgesehen von Kärnten hatte die SPÖ heuer keinen Grund zum Feiern. Die ÖVP hielt immerhin die Absolute in Niederösterreich und holte Salzburg zurück. Das übertünchte die prozentuellen Verluste.

In den Umfragen für die Nationalratswahl liegt die SPÖ knapp vor der ÖVP und weit vor der FPÖ. Eine Zweiparteienregierung abseits der Großen Koalition dürfte sich nur mit den Freiheitlichen ausgehen. Rot-Blau kommt jedoch für Faymann nicht infrage. Und Spindelegger stößt sich an Straches EU-Austrittsfantasien. Es ist also nicht ganz unwahrscheinlich, dass dem Kabinett Faymann I das Kabinett Faymann II folgt. ÖVP inklusive.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.07.2013)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:

Mehr erfahren

Leitartikel

Hütet euch vor einem zweiten 24. September!

Vor fünf Jahren wurden vor der Wahl mehrere Milliarden verpulvert. Das könnte wieder passieren, wenn die ÖVP auf das SPÖ-Spiel beim Lehrerdienstrecht eingeht.

Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.