"Ein Jahrmarkt der Eitelkeiten"

Erhard Busek. Weniger Wettstreit in den Museen, mehr Pflege des nationalen Erbes.

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ch habe Ministerin Gehrer gewarnt, aber ich bin als überholt angesehen worden." Der ehemalige Wissen schaftsminister Erhard Busek sieht die Autonomie der Museen kritisch. Die Teilautonomie hätte völlig gereicht: "Das haben die Sammlungen, die verdienen konnten, geschätzt, die anderen aber nicht", so Busek. Dieses Problem habe sich nun verschärft. Und es sei mit mehr Geld alleine nicht zu lösen: "Die Politik muss Ziele vorgeben, nicht diktatorisch, aber nach einer Diskussion. Und nicht so, wie das der grüne Kultursprecher Wolfgang Zinggl vorgeschlagen hat, dass alle Sammlungen umgruppiert werden. Diese sind in Jahrhunderten gewachsen, nach bestimmten Prioritäten. Darauf muss man Rücksicht nehmen."

Derzeit gebe es einen "Jahrmarkt der Eitelkeiten", Direktoren betrachten sich als "Mister Albertina" oder "Mr. Kunsthistorisches Museum" (Klaus Albrecht Schröder, Wilfried Seipel): "Man sieht schon mehr von den Gesichtern als von den Ausstellungen."

Es werde sehr viel Geld für Werbung ausgegeben. Am Liechtenstein-Museum könnte man sich orientieren, wie sinnvolles Marketing aussehe, Besucherzahlen seien eben nicht das allein Entscheidende. Es gebe einen Unterschied zwischen Museen und Theatern: In Theatern gebe es Sitzplätze, ob die besetzt seien, das könne man zählen. Die Besucherzahlen der Museen seien ein Fetisch geworden. Hätten sie auch die Verpflichtung zur Information, so sei es doch fraglich, welchen Sinn es habe, wenn so viele Besucher an Bildern vorbeiströmen: "Der Dürer-Hase ist ein Symptom."

Die Museen hätten nur gesehen, dass sie die Eintrittsgelder behalten könnten, durch die Autonomie, darüber hätten sie sich gefreut: "Sie haben aber übersehen, dass der Bund dann nicht mehr die offenen Beträge ausgleicht, sondern dass sie die selbst auftreiben müssen. Den Deckel, den sie jetzt haben, den haben sie sich selbst zugezogen." Was tun? Busek: Eine politische Diskussion beginnen und sich vor allem darauf besinnen, dass es eine Staatsverpflichtung für Kunstobjekte gebe - und eine Verpflichtung zur Information, auch dann, wenn diese nicht direkt Geld bringe: "Diese Sammlungen sind die Identität des Landes. Das ist eine Grundausstattung, die sichergestellt werden muss. Und das kann nur die Politik tun. Museen sind nicht dazu da, um um jeden Preis Geld zu verdienen. Nehmen Sie die Nationalbibliothek her. Sammeln dient nicht immer einem Zweck, trotzdem ist es notwendig. Kultureinrichtungen sind keine Wirtschaftsunternehmen."

"Ich hoffe, dass endlich jetzt wieder einmal das Völkerkundemuseum aufmacht, denn das ist doch ein ganz wichtiges Thema in der heutigen Zeit: Ethnologie. Man sollte sich wieder erinnern, dass die Museen nicht nur dazu da sind, Ausstellungen zu machen, sondern das nationale Erbe zu bewahren haben. Das muss auch entsprechend honoriert werden. Allerdings ist diese Entwicklung, die wir jetzt haben, nicht auf Österreich beschränkt, sondern es ist eine allgemeine Tendenz, aber das macht die Sache nicht besser." Erhard Busek kommt vom Wirtschaftsbund. Er war u. a. VP-Parteiobmann, Vizekanzler, Wissenschaftsminister (1989 bis 1994). Als solcher trieb er eine Reihe von Vorhaben voran (Museums-Renovierung, Struktur-Reformen, Teil-Autonomie, Museumsquartier), wovon in der Folge Ministerin Gehrer profitierte. Seit 2002 ist Busek EU-Koordinator für den internationalen Stabilitätspakt für Südosteuropa.


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