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dayli grüßt das Murmeltier: Bloß nichts Neues probieren!

"dayli" grüßt das Murmeltier.(c) APA (Alois Litzlbauer)
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Die Causa Dayli wird wohl noch viel Unappetitliches zutage fördern. Eines ist jetzt schon klar: Unternehmertum ist in Österreich immer noch ein Fremdwort.

Jetzt ist das Unvermeidliche passiert: Die Drogeriekette Dayli ist insolvent, und das hat eigentlich niemanden sonderlich überrascht. Nachdem Firmenchef Rudolf Haberleitner quasi Woche für Woche einen neuen Investor aus dem Hut zaubern wollte – ohne dass es auch nur einen Anhaltspunkt für seinen weltfremden Optimismus gegeben hätte –, ist das Unternehmen gleichsam sehenden Auges in den Abgrund gestürzt.

Alles absehbar also. Und trotzdem bleiben viele Fragen offen.

Zum Beispiel jene: Wie ist es möglich, dass die einstigen Schlecker-Filialen in Österreich, die vergangenes Jahr trotz der Probleme der Deutschland-Mutter noch profitabel geführt wurden, so rasch in Grund und Boden gewirtschaftet werden konnten? Vor allem aber: Welche Rolle spielt dabei der in jeder Hinsicht unglückliche Rudolf Haberleitner?

Von ihm wissen wir ja noch herzlich wenig. Irgendwie war er plötzlich da und versprach das Blaue vom Himmel. Mittlerweile war zu erfahren, dass er in der Vergangenheit bei einigen „Sanierungen“ dabei war, die eher nicht so gut gelaufen sind. Mittlerweile wissen wir, dass er nach wie vor an das Unternehmen glaubt und sogar expandieren will – was nicht unbedingt für einen ausgeprägten Realitätssinn spricht. Und mittlerweile geistert die ominöse „Causa Geldkoffer“ durch die Medien, die so seltsam ist, dass einem nur das Grausen kommen kann: Haberleitner behauptet jetzt jedenfalls, in Italien gar nicht mit einem Geldkoffer unterwegs gewesen zu sein. Sei's drum: Eine Million Euro ist futsch – und angeblich handelte es sich um Firmenvermögen.

Angeblich – vermutlich – mutmaßlich: Wir ahnen so einiges, wissen aber nicht sonderlich viel. Die Justiz, die sich bereits eingeschaltet hat, wird da hoffentlich ein wenig Licht ins Dunkel bringen. Auch bei der Frage, ob betrügerische Krida im Spiel war. Kommt Zeit, kommt Gewissheit. Und dann werden hoffentlich Lehren aus dieser unbestritten unerfreulichen Geschichte gezogen werden können. Eine Conclusio ist freilich jetzt schon möglich. Und dabei sei das undurchsichtige Wirken des Rudolf Haberleitner an dieser Stelle einmal ausgeklammert.

Aus der Causa Dayli können wir lernen: Unternehmerisches Handeln, unternehmerisches Wagnis, unternehmerische Initiative – all das ist in unserem schönen Land immer noch nicht gefragt. Was heißt! Es wird mit allen zu Gebote stehenden Mitteln immer noch unterbunden.

Am Beispiel der von Haberleitner geplanten Sonntagsöffnung der Dayli-Filialen: Gut möglich, dass dies den Karren auch nicht mehr aus dem Dreck gezogen hätte. Aber in Österreich anno 2013 war es nicht einmal einen Versuch wert.

So sieht die wirtschaftliche Realität bei uns aus: Dayli versucht mit einer Marktnische – nämlich der Sonntagsöffnung – Tritt zu fassen. Und hastduesnichtgesehen werden die politischen Parteien aktiv. Motto Numero eins: Das muss schleunigst unterbunden werden. Motto Numero zwei: Da könnt' a jeder kommen. Flugs wird die böse Gesetzeslücke in der Gewerbeordnung „repariert“, und alles ist wieder im Lot. Man würde sich so viel Tatendrang der Politiker bei Reformen wünschen.

Und die Wirtschaftskammer, die angeblich die Interessen ihrer Zwangsmitglieder vertritt, zuckt mit den Achseln: Die Sonntagsöffnung hätte Dayli eh nichts gebracht, heißt es dort. Weil andere Unternehmen es der Handelskette nachgemacht hätten. Ah ja: Deshalb braucht es auch gar nicht erst versucht zu werden.

Das schmerzt. Nicht nur die 3500 Dayli-Mitarbeiter, die wohl lieber am Sonntag (mit Zulagen) gearbeitet hätten, als jetzt um ihre Jobs zu zittern. Nein, so viel Ignoranz müsste eigentlich jeden schmerzen – die Politiker natürlich ausgenommen.

Wir lernen also: Unternehmertum bedeutet in Österreich nach wie vor, nicht aus der Reihe zu tanzen, nichts Neues zu versuchen, brav beim Herkömmlichen zu bleiben. Besser, man lässt es also gleich bleiben. Diese Lehre hätten wir uns gern erspart – die Causa Dayli/Haberleitner wird noch unschön genug.

 

E-Mails an: hanna.kordik@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.07.2013)