Die Couch - und Mozart darauf: das Sigmund-Freud-Jahr 2006.
Donna Anna und Elvira im "Don Giovanni" benehmen sich wie Freudsche Hysterikerinnen, sagt die Wissenschaft. Daher gibt es zu Freuds 150. Geburtstag 2006 auch ein Symposium über psychoanalytische Aspekte in den Mozart-Opern - praktischer Synergie-Effekt zweier Jubeljahre. Wichtiger aber als Mozart auf der Couch wird die Couch selbst sein: als zentraler Bestandteil des psychoanalytischen Settings, als anrüchiges bürgerliches Möbelstück oder auch - wie bei französischen Surrealisten - als Erkenntnisort. Das Sigmund-Freud-Museum zeigt eine Sonderausstellung, "Die Couch: Vom Denken im Liegen", als Schwerpunkt des Jubiläumsjahres.
Direktorin Inge Scholz-Strasser verwies bei der Vorstellung des Veranstaltungsreigens am Donnerstag einmal mehr auf die Platznot des "erfolgreichsten österreichischen Privatmuseums": Wien sei bereit, das gesamte Haus der Privatstiftung zu übergeben - doch nur, wenn auch der Bund einen Betrag in der Höhe des Schätzwertes der Immobilie (rund 2,1 Millionen €) für die bauliche Erweiterung investiere. "Von Ministerin Gehrer haben wir immer noch keine Zusage", so Scholz-Strasser. "Ohne Ausbau müssen wir 2008 zusperren."
Einen Vorgeschmack auf das Freud-Jahr gab auch der Mittwochabend im Akademietheater. Peter Matic und Martin Schwab lasen aus dem Briefwechsel Sigmund Freuds und Albert Einsteins zum Thema "Warum Krieg?" "Das kann nur einem Mann einfallen", kritisierte die Sozialpädagogin Sophie Freud die "Kriegs-Erklärung" ihres Großvaters bei der anschließenden, von "Presse"-Chefredakteur Michael Fleischhacker moderierten Podiumsdiskussion. Ein interessantes Kriegsverhütungsmittel nannte Psychoanalytiker Felix Mendelssohn: Mit freizügiger Sexualität würden etwa die Bonobo-Affen Aggressionen abbauen. Die Belgrader Schriftstellerin Biljana Srbljanovic erklärte die Warum-Frage an sich für unwesentlich: "Viel wichtiger ist, was nach einem Krieg passiert." Zum Beispiel in Serbien.