MotoGP: „Jeder will doch gegen Rossi fahren“

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MotoGP (c) GEPA pictures/ Franz Pammer
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Martin Bauer startet in Brünn als erster Österreicher in der Königsklasse MotoGP. Andreas Bronnen, Manager des „Remus Racing Teams“, erklärt Anreiz, Ziele – und Bedenken.

Wien. Österreicher sorgten schon in der Formel 1 für Aufsehen. Auch in der Rallye-WM gelangen Drifts unter rot-weiß-roter Flagge. Die Namen sind bekannt: Rindt, Lauda, Berger, Wittmann, die Familie Stohl, etc. Auch in der Motorrad-WM ertönte die Bundeshymne. Die Erfolge von August Auinger in der 125ccm-WM Mitte der 1980er-Jahre sind unvergessen. Oder auch die Auftritte von Andreas Meklau, der 1993 in der 500ccm-WM mitfuhr. Nur die MotoGP-WM, die „Königsklasse“ der Motorräder, blieb unberührtes Terrain...

Geht es nach Andreas Bronnen, Teammanager des „Remus Racing Teams“, wird diese Lücke nun geschlossen. Am 25. August wird mit Martin Bauer, 37, beim GP von Brünn erstmals ein Österreicher in dieser Elite mitfahren. „Das haben viele nicht geglaubt, wir sind ja nur ein kleines Privatteam. Aber es ist so: Bauer tritt mit der BMW S1000 RR gegen Superstars wie Jorge Lorenzo oder Valentino Rossi an.“

Möglich wird diese Premiere durch Eigeninitiative, hohen Einsatz von Eigenkapital und das Einverständnis von Promotor Dorner sowie der Fédération Internationale de Motocyclisme (FIM) – des Zweiradpendants des Automobilweltverbandes FIA. Sie sprachen dem Team eine Wildcard zu, die benötigte Zeit unterbot Bauer bei Tests im Juni in Brünn. Er knackte die 107-Prozent-Marke der Pole-Position-Zeit von Lorenzo aus dem Jahr 2012. Offen blieb nur noch die Ausstellung, laut Bronnen soll er das „GP-Ticket“ morgen auf dem Sachsenring erhalten.

Über 300.000 € – für ein Rennen

Das Abenteuer hat kleinere Haken, die Bronnen jedoch gewillt ist, in Kauf zu nehmen. Vorerst bleibt es ein einmaliges Antreten des sogenannten „Claiming Rule-Teams“, das im Vergleich zu Größen wie Honda, Yamaha oder Ducati nur einen seriennahen Motor (BMW) samt Prototypen-Chassis (Suter) und KTM-Federn einsetzen kann. Stimme aber der Gesamteindruck, seien drei weitere GP möglich.

Langfristig seien bis zu fünf Europa-Rennen pro Saison angedacht. In Brünn müsse das Remus-Team nun vor allem Aufmerksamkeit erwecken, Akzeptanz gewinnen und Sponsoren anlocken. Zahlen wollte der Linzer, der schon für Pirelli oder Yamaha gearbeitet hat, nicht nennen, nur soviel ließ er durchblicken: „Eine ganze Saison in der Superbike-Serie IDM kostet uns über 300.000 Euro. Wir hatten Erfolge, doch das Feedback der Sponsoren blieb ohne TV-Übertragung aus. Allein alle Tests, die Beschaffung der Bridgestone-Reifen und der Start bei diesem einen Rennen, verschlingen jetzt – inklusive aller Anschaffungskosten – einen mittleren sechsstelligen Betrag.“

Was passiert aber, wenn die Premiere floppt? Der finanzielle Einsatz ist enorm hoch, auch weitere erhoffte Starts kosten sehr viel Geld. Bronnen, der zuletzt ein Jahr pausierende, dreifache Superbike-Champion Bauer und Cheftechniker Fritz Schwarz wollen ihren Traum trotzdem verwirklichen. Dafür wurde auf vieles verzichtet, noch mehr investiert und die kritische Sichtweise anderer negiert. „Wir werden aber auch weiterhin von vielen belächelt“, erklärt Bronnen. „Man hat nicht geglaubt, dass wir dieses Risiko wagen, aber wir treten bei diesem Mega-Event an. Natürlich, Wunder darf man sich keine erwarten, alle anderen sind uns technisch ja weitaus überlegen. Aber: Wir probieren es. Und ehrlich: Welcher Motorradfahrer will denn nicht gegen Valentino Rossi antreten?“

Auf einen Blick

Martin Bauer, 37, ist der erste Österreicher, der in der MotoGP starten wird. Der erste, vorläufig einzige Einsatz ist in Brünn (25. August) geplant.

Das „Remus Racing Team“ ist ein Privatteam, zum Einsatz kommt eine BMW S1000 RR. Als Manager agiert der Linzer Andreas Bronnen, Technikchef ist Fritz Schwarz. [Remus]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.07.2013)

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