Bundestheater-Belegschaft fordert mehr Geld, Arbeitgeber sagt "Geht nicht!", im Jänner könnten Vorstellungen ausfallen.
"Das ist eine Streikdrohung. Ein Streik verursacht Kosten. Die Manövriermasse für Bezugserhöhungen wird dadurch eingeschränkt. Ich hoffe, dass das allen Beteiligten klar ist", erklärte Bundestheater-Holding-Chef Georg Springer Freitag zu einem Beschluss der Gewerkschaft Kunst, Medien, Sport, Freie Berufe (KMSfB), "störende Betriebsversammlungen" zu unterstützen. 2,7 Prozent fordert die Arbeitnehmerseite, 45 Euro pro Person (2500 Beschäftigte) oder ca. 1,5 Prozent hat der Arbeitgeber geboten.
2,1 Mio. € stehen für die Bezugserhöhungen, über die seit Monaten gestritten wird, zur Verfügung: "Die sind schnell aufgebraucht, wenn etwa Staatsopern-Vorstellungen ausfallen und Solisten ausgezahlt werden müssen", warnt Springer. Betriebsräte und Gewerkschaft verweisen auf Reallohn-Verluste von 15 Prozent in den letzten Jahren, u. a. durch die eingefrorene Subvention. "Falls die Streikdrohung auf Reserven der Staatsoper zielt, diese existieren nicht mehr, weil sie für die Sanierungspakete im Burgtheater und in der Volksoper verwendet wurden. Und spätestens 2007 stehen wir vollends ohne Unterwäsche da", betont Springer. Könnten die Betriebsversammlungen zum Ausfall von Vorstellungen führen? "Ja", bestätigt KMSfB-Vorsitzender Peter Paul Skrepek. Was sagt er zum Vorwurf der Schädigung des Betriebes? "Bei jedem Arbeitskampf entsteht ein Schaden für den Betrieb. Das ist der Zweck der Übung."
Die Weihnachtspremieren werden allerdings ohne Störung über die Bühne gehen. Die Aktionen beginnen ab Jänner 2006. Die Meinungen in der Belegschaft darüber gehen freilich weit auseinander. "Uns ist lieber, wir sind mit positiven Berichten in der Zeitung als mit Streik", heißt es etwa aus dem Betriebsrat des Burgtheaters. Geschäftsführer Thomas Drozda versteht, dass die Beschäftigten verärgert sind, hofft aber, dass sich die Radikalisierung in Grenzen halten wird: "Der Knackpunkt war die Erhöhung der Gehälter des öffentlichen Dienstes um 2,7 Prozent. Es wäre sinnvoll, die Gehälter wieder an den öffentlichen Dienst zu binden bzw. ein begleitendes Bezugssystem wie bei den Universitäten zu schaffen."
Hinter dem Arbeitskampf verbergen sich andere große Themen. Die Volksoper ist noch immer nicht ausgeschrieben. Ob Direktor Rudolf Berger 2006 oder, wie vereinbart, 2007 geht, ist unklar. Bund und Berger können das nur im Einvernehmen festlegen. Die Frage ist: Wie viel von Bergers Vertrag muss ausgezahlt werden, falls er Ende dieser Saison ausscheidet? Das ist strittig. Die Volksoper bangt um ihre Zukunft. Wird sie mit der Staatsoper fusioniert? Auch das ist nicht vom Tisch. Und wer übernimmt die Leitung? Vielleicht doch Holding-Chef Springer? Für Erregung sorgt ein weiteres Gerücht: Dass die Staatsoper keine Reserven mehr habe, stimme nicht, heißt es. Sie habe Reserven, 20 bis 30 Mio. € sollen es sein. Diese wurden zuletzt u. a. verwendet für Zahlungen an Gruppen wie Chor oder Orchester, wenn sie bei Bezugserhöhungen zu kurz gekommen sind. Könnte die Holding der Staatsoper die Reserven entziehen?
"Die Holding entscheidet über die Bedeckung der Abgänge und Verwendung von Überschüssen", heißt es im Bundestheatergesetz. Warum ist Springer nicht aktiv geworden? Traut er sich nicht? Wird gefragt. Auch der Holding-Chef, dessen Vertrag bis 2009 läuft, scheint unter Druck zu geraten. Könnte er durch einen VP-nahen Mann ersetzt werden? Etwa den Kabinettchef von Staatssekretär Morak, Helmut Wohnout? "Ein läppisches Gerücht", sagt Springer.