Autorin Susanna Kubelka erinnert an ihren Onkel.
Wenn es um die Wiener Staatsoper geht, kann Susanna Kubelka sehr leidenschaftlich werden. Die in Paris und Wien lebende österreichische Erfolgsautorin - sie schrieb Bestseller mit einer Gesamtauflage von über drei Millionen, u. a. "Endlich über vierzig" - hat dafür einen ganz persönlichen Grund. Ihr Onkel Udo Illig (1897-1989) setzte sich als Handelsminister 1953 bis 1956 vehement dafür ein, dass die im Zweiten Weltkrieg halb zerstörte Oper wieder nach den ursprünglichen Plänen aufgebaut wurde.
"Wenn Onkel Udo nicht gewesen wäre, hätten wir hier in Wien einen dieser Betonbunker, wie man ihn aus Deutschland kennt. Er war für den Wiederaufbau zuständig, ein Pionier des Denkmalschutzes. Schon seit den zwanziger Jahren war er in der Steiermark als Wirtschaftspolitiker tätig, dann in der Regierung Raab", erklärt Kubelka stolz. In Illigs Zeit als Handelsminister gab es erstmals in der Zweiten Republik eine aktive Außenhandelsbilanz. Illig war auch für Straßenbau zuständig - und zeigte für damalige Verhältnisse außergewöhnliche Sensibilität. Die Bundesstraße durch die Wachau wurde so geführt, dass auf die landschaftliche Gliederung Rücksicht genommen wurde.
Im Ministerium nannte man den dreifachen Doktor (Jus, Philosophie, Ökonomie) "kleinen Napoleon". "Er war ein musischer Mensch, der Novellen schrieb und malte. Aber er hat mit den Stühlen geworfen, getobt, wenn jemand seine Pläne für die Staatsoper ablehnte." Viele Sommer hat Kubelka bei ihrem Onkel auf Burg Schlaining verbracht, die er nach Verlassen der Regierung gekauft hatte. Ihr erster Roman, "Burg vorhanden, Prinz gesucht", ist eine sanfte Persiflage auf Illig. "Untertags hat er die Burg restauriert, die in der russischen Besatzung verwüstet worden war. In der Nacht suchte er nach dem ungarischen Kron-Schatz, den man damals auf dieser Burg vermutet hat. Mit einem Holzhammer klopfte er die dicken Mauern nach Höhlungen ab. Ich dachte, es gibt Gespenster, bis ich draufkam, was er da tat. Er hat ein Privatmuseum in der Burg errichtet, seine Gusseisensammlung ist sehr berühmt."
Kubelka kämpft darum, dass die Rettung der Oper durch ihren Onkel nicht vergessen wird, dass sein Einsatz für den Erhalt der Ringstraße, für den Wiederaufbau des Burgtheaters bei den Staatsvertragsfeiern erwähnt wird. "Es gab damals auf Druck der Bauindustrie geradezu eine Wut, alles niederzureißen. Man setzte eine Prämie aus, Fassaden abzuschlagen. Es gab sogar Pläne, die Oper nach Favoriten zu verlegen. Am Ring stünde dann heute sicher so ein hässlicher Klotz." Raab und Figl hätten jedoch auf den Rat Illigs gehört. Kubelka will nun, dass man ihn im Jubiläumsjahr würdigt. Da duldet sie keinen Widerspruch. Als sie hörte, dass eine Plakette, die an Illig erinnert, aus der Oper entfernt worden sei, intervenierte sie persönlich bei Bundestheater-Geschäftsführer Georg Springer. Sogar während des Opernballs machte sie Lobbying, bis sich die Herren am Ring um ihr Anliegen kümmerten. "Wir haben die Plakette dann Gott sei Dank gefunden, im Foyer an der Treppe."
Fast ein Happy End also für die Verfasserin romantischer Romane über den Glanz der K&K-Zeit. Wir geben uns geschlagen. So einen wunderbaren Onkel wie Udo Illig, der diesen Glanz erhalten half, kann man nicht erfinden.