Geburtstag: Tapfere Erzkomödiantin

Elfriede Ott feiert ihren 80. Geburtstag mit einem Buch, das überrascht und entzückt.

Zu ihrem 80. Geburtstag diesen Samstag hat Elfriede Ott ein Buch geschrieben. Atemlos, sprunghaft wie die Künstlerin selbst, herzerwärmend und tragisch. Stationen eines Lebens: Geboren in Wien als Tochter eines Uhrmachers, der Sympathien für die Nationalsozialisten entwickelte, bis der Sohn in Russland fiel. Bald darauf starb auch der Vater, bei der Rettung der Tochter vor einem heranrasenden Zug. Die 18-jährige Elfriede war mit Holzschuhen in den Geleisen stecken geblieben. Die Suche nach dem verlorenen Vater führte erst zu Ernst Waldbrunn, dem zauberhaften, aber alkoholkranken Komödianten, nach der Scheidung zum Kritiker Hans Weigel, dem Lebensmenschen, der 1991 starb - wie auch die Mutter. Nach dem Krieg spielte Elfriede Ott am Burgtheater, ab 1953 in der Josefstadt.

Die als Erzkomödiantin viel geliebte Ott ist auch eine ernste Schauspielerin, wie man etwa in De Filippos Ehe-Drama "Filumena Maturano" sehen konnte. Sie spielte Straßentheater, präsentiert Soloprogramme ("Phantasie in Ö-Dur", "Die lustigen Klassiker"), sie unterrichtete am Wiener Konservatorium. Sie inszeniert, spielt Nestroy sommers auf Burg Liechtenstein; sie drehte Filme und TV-Serien (u. a. die Stegreif-Serie "Die liebe Familie"). Außerdem malt sie - und schreibt.

Otts Buch ist zeitweise sehr privat, aber niemals indiskret, überraschend philosophisch, trotzdem oft witzig. Ein beinahe literarischer Zettelkasten, der da vor dem Leser ausgeschüttet wird. Elfriede Jelinek scheint Otts Freundin nicht zu sein, und doch gleicht ihr Schicksal Jelinek-Frauen. Das Leben: viele Zumutungen, viel trotzdem. Otto Schenk, so Ott, wollte sie, als er Josefstadt-Chef wurde, auszahlen, sie entschied sich, für die halbe Gage weiterzuspielen. Man darf sich nicht unterkriegen lassen. Das hat sie geschafft. Man hat es ihr auf der Bühne nie angemerkt, wenn sie unten war, in ihrer Kunst ein perfekter Fassaden-Mensch, fast unheimlich - wie dieses Buch.

("Ich hätte mitschreiben sollen" Styria; So., 11.30h, wird die Ott bei einer Gala in der Josefstadt gefeiert, 2005/06 spielt sie dort in Anzengrubers "Das vierte Gebot".)


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