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Bachmann-Preis gerettet – und jetzt ist alles wieder gut?

Der jetzige Konflikt mit dem ORF dreht sich darum, ob der öffentlich-rechtliche Sender weiter seinen Bildungs- und Kulturauftrag erfüllen will.

Der ORF hat eindeutig zu viele Aufgaben. Er soll unterhalten, informieren, seinen Bildungs- und Kulturauftrag erfüllen, von möglichst vielen gehört und gesehen werden und dabei den Privaten nicht in die Quere kommen. Er hat die Aufgabe, es allen recht zu machen – und mehr Pflichten, als das einem auf Marktführerschaft bedachten Unternehmen lieb sein kann.

Er soll die Kunst durch geeignete Sendungen fördern – und muss trotzdem einen Anteil an seinen Gebühren für kulturelle Zwecke einheben und abliefern und weniger Begüterten die Zahlung der Rundfunkgebühr erlassen. All das empfindet der ORF als Belastung. All das aber wollen die Kritiker nicht wahrhaben.

Selbst wenn es sich bei der Abschaffung des Bachmann-Preises und dessen Rettung durch den Generaldirektor des ORF innerhalb einer Woche um eine „Schmierenkomödie“ gehandelt haben sollte, wie Klaus Kastberger in seinem „Presse“-Gastkommentar (10.7.) vermutet: Generaldirektoren des ORF muss man ernst nehmen. Wenn sie die Abschaffung eines Kulturprogramms bekannt geben, um es kurz darauf zu retten, könnte das ja auch zur Abwendung eines Imageschadens geschehen sein.

 

Eine Marktinszenierung

Der Bachmann-Preis wird sicher nicht von allen geliebt. Er ist eine Marktinszenierung, die sich als Literaturbetriebseinrichtung ausgibt. Nicht problematischer oder unproblematischer als der Deutsche Buchpreis oder die Leipziger Buchmessenpreise oder die Festivalisierung der Literatur.

Was sich gegen den Bachmann-Preis einwenden lässt, lässt sich gegen die meisten anderen Inszenierungen, angefangen von Buchmessen über Literaturpreisvergaben mit Wettbewerbslesungen (Literaturpreis Schloss Wartholz, Floriana, Tumler Preis etc.) bis hin zu Buchbesprechungen, genauso einwenden. Aber darum geht es beim derzeitigen Konflikt ja nicht. Es geht darum, ob und wie der ORF seinen Bildungs- und Kulturauftrag erfüllt. Was er streicht. Was er bleiben lässt. Was er ändert. Nicht zum Besseren, sondern zum nichts mehr.

 

Alles keine Quotenbringer

Den ORF rettet auch die Rettung des Bachmann-Preises vor sich selbst nicht. Genauso wenig wie die Rettung des Musikprotokolls, die noch ansteht. Der ORF stellt bisherige Programme infrage und sucht dafür Geld.

In Kulturkooperationen können sich Veranstalter ihren Kulturauftrag selbst bezahlen. Und als zahlende Kulturkunden damit zugleich etwas zur Einlösung des ORF-Objektivitätsgebots tun. Oder sich als Orte und Bundesländer jenseits der Regio-Krimis wegen der Schönheit ihrer Natur und der Liebenswürdigkeit ihrer Bewohner zu empfehlende Reiseziele in TV-Programme einbringen.

Ob mit oder ohne Abschaffungsankündigung: Der Bachmann-Preis ist genauso wenig ein Quotenbringer wie die sonstigen Programme auf 3Sat, in ORF III und Ö1. Auf diese drei Sender haben sich in den letzten Jahren die ursprünglich überall anzutreffenden Kunst- und Kulturprogramme des ORF konzentriert, um die anderen Programme vom Bildungs- und Kulturauftrag freizuspielen.

Fast unbemerkt haben sich in den Landesstudios bisherige Strukturen aufgelöst und dort Kulturredakteure zu Ausnahmeerscheinungen gemacht. Das Aufgeben von regionalen Kunst- und Kulturprogrammen ist daher nur logische Folge. Genauso wie die Rücknahme der Aufgabe, wenn sich Sponsoren zur Einlösung von Programmen im Sinn des gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunkauftrags finden.

Gerhard Ruiss (* 1951 in Ziersdorf) ist Autor, Musiker und seit 1982 Geschäftsführer der IG Autoren.


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.07.2013)