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Der Elefant auf dem Hradschin

Präsident Zeman scheint sich für unbesiegbar zu halten.

Man kann den Tschechen nicht vorwerfen, dass sie nicht gewusst hätten, wen sie da im Jänner als Präsidenten auf den Hradschin geschickt haben. Miloš Zeman ist der Polit-Veteran an der Moldau.

Und er hat, auch wenn das nicht die wichtigste Qualifikation ist, Unterhaltungswert. Nach dem spröden EU-Gegner Václav Klaus mit seinem Faible für fremde Füller haben sie sich bei der ersten Direktwahl für Zeman entschieden, dessen loses Mundwerk so berüchtigt ist wie seine Finten. Auf seinen Alkoholkonsum angesprochen, meinte er kürzlich sinngemäß, Hitler sei abstinent gewesen, und wohin das führe, sehe man schon daran, dass er den Krieg verloren habe.


Zwischen zwei flotten Sprüchen muss Zeman aber der letzte Rest Professionalität abhandengekommen sein. Seit er auf der Prager Burg residiert, benimmt er sich, als wäre er nicht die höchste, sondern die einzige Instanz. Ein Elefant im Porzellanladen agiert wohl umsichtiger als Zeman im Präsidentenamt.

Auf dem Papier hält er sich an die Verfassung, wenn er darauf beharrt, den Premier ganz nach Gusto auszuwählen. Doch selbst der nicht konfliktscheue Klaus betrieb Politik als Kunst des Möglichen. Eine Regierung ins Rennen zu schicken, die nach Lage der Dinge keine Zustimmung im Parlament erhält, ist nicht konfliktfreudig, sondern kurzsichtig. Abgesehen davon, dass sich die Tschechen Besseres verdienen als eine – grosso modo – Freunderlpartie Zemans. Der scheint sich für unbesiegbar zu halten. Vielleicht sollte ihm jemand sagen, dass Napoleon nicht abstinent war.

 

helmar.dumbs@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.07.2013)