Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schnellauswahl

Wirtschaftskrise liefert dem Pleitegeier in Europa fette Beute

Wirtschaftskrise liefert Pleitegeier Europa
Wirtschaftskrise liefert Pleitegeier Europa(c) APA/RUBRA (RUBRA)
  • Drucken

Die Kreditversicherer Euler Hermes und Prisma erwarten heuer ein Fünftel mehr Unternehmenspleiten in der Eurozone. Auch in Österreich müssen mehr Firmen den Gang zum Konkursrichter antreten.

Wien/Eid. Alpine, Dayli, MPS, Niedermeyer, Jetalliance: Von Entspannung ist an der Pleitefront nicht mehr die Rede, täglich müssen hierzulande rund 25 Firmen den Gang zum Konkursrichter antreten. Aber nicht nur in Österreich füttert die Wirtschaftskrise den Pleitegeier. Weltweit bildet die Insolvenzentwicklung – zeitverzögert um ein halbes Jahr – die Konjunkturlage ab. Für die Eurozone heißt das nichts Gutes: Der weltgrößte Kreditversicherer Euler Hermes und die heimische Prisma Kreditversicherung erwarten für heuer in der Eurozone einen Anstieg der Unternehmenspleiten um 21 Prozent. 2014 sollte sich die Situation leicht entspannen, der Zuwachs soll sieben Prozent betragen.

Die jüngste Prognose für die Jahre 2013 und 2014 spiegelt allerdings auch die gegenläufigen Trends in der Weltwirtschaft wider. In den USA und Kanada schlittern weniger Firmen in die Pleite, während es in ganz Europa einen massiven Anstieg von 16 Prozent gibt. Auch Japan und Russland halten sich gut, in China fällt die Steigerung moderat aus.

Die Statistik (siehe Grafik)macht auch deutlich, wo innerhalb Europas die größten Sorgenkinder zu Hause sind. Spanien liegt mit einem für 2013 prognostizierten Plus an Insolvenzen von knapp 40 Prozent an der Spitze. Auch in den anderen Eurokrisenländern Griechenland, Portugal und Italien steigt die Zahl der Firmenzusammenbrüche. Positiv stechen indes neben der (inzwischen auch etwas lahmenden) Konjunkturlokomotive Deutschland vor allem die nordischen Länder hervor. Auch die Schweiz stemmt sich erfolgreich gegen den negativen Trend.

 

Wachstum ist zu schwach

Für Österreich geht die Studie von einem Zuwachs um vier Prozent auf 6280 Fälle aus. Die österreichische Wirtschaft habe sich abgeschwächt und könne sich von den Problemen in wichtigen Exportmärkten nicht abkoppeln, heißt es dazu in der Untersuchung. Mit etwas Rückenwind könnte die Pleitewelle aber 2014 wieder abebben.

Laut Prisma-Vorstand Ludwig Mertes sei grundsätzlich ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von zwei bis drei Prozent erforderlich, um einen Insolvenzanstieg zu verhindern. Ein BIP-Rückgang um einen Prozentpunkt könne indes einen Insolvenzanstieg um bis zu zehn Prozent bedeuten.

Als besonders schwierig schätzt Mertes die Aussichten im Einzelhandel, Möbelhandel, in der Unterhaltungselektronik und in der Autoindustrie ein. „Die ohnedies immer problematische Lage in der Bauwirtschaft hat mit dem Alpine-Debakel jedenfalls in Österreich einen neuen Negativrekord eingeläutet“, erklärt Mertes.

Heuer wird in Österreich laut der jüngsten Schätzung nur ein Wirtschaftswachstum von 0,4 Prozent erwartet, 2014 von 1,4 Prozent – dazu müsse sich allerdings die Auslandsnachfrage schrittweise erholen, sagt Mertes. Zudem verliere der private Konsum als wichtiger Wachstumstreiber an Kraft.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.07.2013)