Aleksandar Dragovic wartet auf Post aus Mailand

Aleksandar Dragovic
Aleksandar DragovicGEPA pictures/ Oliver Lerch
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Aleksandar Dragović und FC Basel warten auf ein Schriftstück aus Mailand. Über den Wechsel sind beide Klubchefs seit der Vorwoche handelseins.

Basel/Wien. Es geschieht selten, dass Bernhard Heusler, der Klubchef des FC Basel, so gespannt auf ein Fax wartet wie in diesen Tagen. Schon in der Vorwoche, berichtet ein Insider aus dem Umfeld des Schweizer Meisters, soll er sich mit Inter Mailands mächtigem Präsidenten, Massimo Moratti, auf einen Transfer des ÖFB-Verteidigers Aleksandar Dragović mündlich verständigt haben. Stolze zehn Millionen Franken wurden da als Ablöse vereinbart, umgerechnet 8,04 Millionen Euro.

Es wäre Transferrekord für Österreich und für Basel, trotz des Wunsches von Trainer Murat Yakin, Dragović halten zu wollen, eine durchaus schmerzlindernde Summe. Nur die Schriftstücke aus Italien fehlen weiterhin...

„Unklarheit für meinen Kopf“

So groß das Verlangen von Dragović auch sein mag, als vierter Österreicher nach Herbert Prohaska, Marko Arnautović und Lukas Spendlhofer das Dress der „Nerazzurri“ zu tragen, Geduld ist gefragt. Die Transferzeit in Italien läuft bis zum 31. August, und schenkt man italienischen Gazetten Glauben, ist Inter noch immer damit beschäftigt, seinen überteuerten Kader auszudünnen. Altstar Stanković ist schon weg, Ranocchia und Chivu stehen vor dem Absprung. Solange einer der beiden nicht verkauft ist, bleibt die Neuverpflichtung in Mailand unter „Verschluss“.

Dragović, 22, der einen Vierjahresvertrag erhalten und 1,1 Millionen Euro pro Saison verdienen soll, scheint aufgewühlt. „Diese Unklarheit ist nicht gut für meinen Kopf“, erklärte er vor dem Testspiel am Mittwoch gegen Borussia Dortmund im „Blick“. „Inter Mailand ist ein großer Verein, jeder träumt doch davon, dort einmal spielen zu dürfen.“

Das talentierte „Mädchen“

Platzt der Transfer in die italienische Serie A, wäre der Verteidiger zwar „enttäuscht“, aber nachdem sein Vertrag beim FC Basel noch bis Sommer 2015 läuft, wäre er definitiv gut aufgehoben. Zudem: Nicht nur die Italiener können bis Ende des Sommers ihr Interesse signalisieren. Die englische Premier League übt auf Dragović schon lange Zeit einen besonderen Reiz aus. „The Sun“ brachte ihn erst vor wenigen Tagen mit Everton, Fulham und Southampton in Verbindung. Es gleicht mittlerweile einem Theaterstück.

Dragović aber war seiner Zeit immer schon ein Stück voraus. Als Fünfjähriger trat er im Trikot der Wiener Austria erstmals gegen den Ball, sein Talent war schon früh unübersehbar. Trainer aller Altersklassen schwärmten von Dragović, der in Jugendtagen lange Haare trug und auf den ersten Blick oftmals für ein Mädchen gehalten wurde. Gemeinsam mit David Alaba besuchte er die Austria-Akademie in Hollabrunn. Für die Schule büffeln war nie seine liebste Beschäftigung, lieber gewann er Zweikämpfe. „Hätte ich den Einstieg in den Profifußball nicht geschafft, ich wäre heute vermutlich ein normaler Arbeiter“, gestand Dragović im Gespräch mit der „Presse“ im Frühjahr 2012.

Der robuste Innenverteidiger hat dennoch seinen Weg gefunden, der Rohdiamant ist im Schoß der Austria-Familie behutsam geschliffen worden. Dragović, der Hochgelobte, drängte bald in die Kampfmannschaft. Als 16-Jähriger konnte er unter Trainer Georg Zellhofer erste Einsatzminuten sammeln und bis zu seinem Abschied aus Wien 2011 reifte er zum Führungsspieler.

Der Wechsel zu Basel ist von vielen Seiten kritisch beäugt worden. Basel sei doch kein Topklub, wurde ihm vorgeworfen. Doch Dragović „hat alles richtig gemacht“, wie er selbst sagt. Er wurde dreimal Meister, 2012 Cupsieger und sammelte wertvolle Erfahrung im Europacup. Mailand wäre der nächste logische Schritt.

Auf einen Blick

Aleksandar Dragović, 22, wartet auf seinen Wechsel von Basel zu Inter Mailand. Kolportiert werden acht Millionen Euro Ablöse.

Bisherige Transferrekorde:
Marc Janko: 7 Mio. € (von Salzburg zu Twente Enschede; 2010/2011)
Marko Arnautović: 6,2 Mio. € (von Twente zu Werder Bremen; 10/11)
Erwin Hoffer: 5 Mio. € (von Rapid zu Napoli; 09/10) [Quelle: transfermarkt.at]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.07.2013)

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