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Investment: Praktiker-Pleite trifft Österreicher

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Einige prominente Investoren aus Österreich haben sich mit Praktiker verspekuliert. Sie verlieren mit der Insolvenz der deutschen Baumarktkette Millionen.

Wien. Der frühere Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner möchte sich zu Gerüchten, dass er mit Praktiker-Aktien einen Millionenverlust erlitten hat, nicht äußern. „Kein Kommentar“, lässt er über sein Büro ausrichten. Haselsteiner dürfte nicht der einzige prominente Österreicher sein, der sich mit Praktiker verspekulierte. Praktiker gehört mit rund 18.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von drei Milliarden Euro zu Deutschlands führenden Baumarktketten.

Am Donnerstag schlitterte die Firma wegen Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit in die Insolvenz. Kurz zuvor gab es eine Krisensitzung des Aufsichtsrats, bei der die Verhandlungen über eine weitere Finanzspritze gescheitert sind. Laut „Presse“-Informationen sollen die österreichischen Investoren bereit gewesen sein, noch einmal Geld nachzuschießen.

Dem Vernehmen nach hätte Praktiker zum Überleben kurzfristig bis zu 40 Millionen Euro gebraucht. Doch die kreditgebenden Banken legten sich quer. Sie befürchteten, dass der Betrag nicht ausreicht. Am Donnerstag stürzte die Praktiker-Aktie um fast 70 Prozent auf 0,12 Euro ab. Bereits am Vortag hatte sie 20 Prozent verloren. Ähnlich wie bei der Alpine-Pleite in Österreich sorgen die Probleme bei Praktiker in Deutschland für Wirbel. Die Insolvenz mit tausenden Arbeitsplätzen setzt die Regierung in Berlin unter Druck.

 

Investment über Zypern

Praktiker befindet sich fest in österreichischer Hand. Aufsichtsratspräsident ist der Sanierer Erhard Grossnigg. Dieser kaufte erst vergangenen Dezember Praktiker-Aktien zum Preis von 1,08 Euro pro Stück. Investoren aus Österreich sind bei Praktiker die größte Aktionärsgruppe. Sie bestanden im Vorjahr darauf, dass Armin Burger neuer Chef der Baumarktkette wurde. Burger hatte zuvor für die Lebensmittelkette Hofer als Generaldirektor gearbeitet.

Das starke Engagement der Österreicher ist der einstigen Fondsmanagerin Isabella de Krassny zu verdanken. Diese war früher für die Wiener Privatbank Semper Constantia tätig. Das Institut ist auf reiche Privatkunden spezialisiert und gehört unter anderem Ex-Strabag-Chef Haselsteiner und dem Sanierer Grossnigg. Beide sitzen im Aufsichtsrat der Bank.

Isabella de Krassny ist als Schnäppchenjägerin bekannt. Sie war als Fondsmanagerin auf der Suche nach unterbewerteten Unternehmen. Im besten Fall sollte sich das Investment verdoppeln.

Einige Österreicher engagierten sich bei Praktiker über die zyprische Gesellschaft Maseltov. Welche Investoren dahinterstehen, ist unklar. Die Millionen, die in die Baumarktkette flossen, waren Risikokapital. Schon im Herbst 2011, als die Österreicher einstiegen (damals kostete eine Praktiker-Aktie zwischen 2,2 und 2,5 Euro), war bekannt, dass es Praktiker nicht gut geht. Das Unternehmen hatte sich in der Vergangenheit mit Rabattaktionen wie „20Prozent auf alles“ verhoben.

Hinzu kam die Wirtschaftskrise. 2011 war ein Verlust von einer halben Milliarde Euro angefallen. Auch 2012 gab es ein Minus von 190 Millionen Euro. Nach einem langen Winter und dem verregneten Frühling blieb heuer der erhoffte Aufschwung aus. Doch Isabella de Krassny zeigte sich Ende Mai „zutiefst überzeugt“, dass Praktiker nicht untergehen werde.

„Die Presse“ versuchte, die Fondsmanagerin am Donnerstag zu erreichen und wurde mit ihrem Mann Alain de Krassny verbunden. Dieser hält über die Wiener Donau-Invest knapp zehn Prozent der Praktiker-Aktien und ist damit größter Einzelaktionär. „Mir tut es um die vielen Arbeitsplätze leid“, so Alain de Krassny. Den finanziellen Verlust könne er verkraften: „Es gibt Investments, die gut gelaufen sind. Und andere nicht. Man kann nicht immer gewinnen.“ Für ihn sei die Sache gelaufen.

 

Raiffeisen-Kredit ist besichert

Isabella de Krassny hieß früher übrigens Isabella Schärf und lernte ihren aus Frankreich stammenden Mann Ende der 1990er-Jahre auf der Hauptversammlung der Donau Chemie kennen. Ihr Mann übernahm damals die Wiener Chemiefirma über ein Management Buy-out. Die Fondsmanagerin rebellierte gegen das Abfindungsangebot und drohte dem Industriellen Alain de Krassny mit rechtlichen Schritten. Der war von ihrer Schlagfertigkeit so beeindruckt, dass er sie später heiratete.

Praktiker-Chef Burger will nun wenigstens die 132 Baumärkte der profitablen Marke Max Bahr retten. Diese wurden nicht in die Insolvenz geschickt. Max Bahr dient als Sicherheit für Kredite, die Banken wie die Wiener Raiffeisen Bank International vergeben haben.

Auf einen Blick

Die deutsche Baumarktkette Praktiker, die im Vorjahr einen Umsatz von drei Milliarden Euro erwirtschaftete, hat beim Amtsgericht Hamburg einen Insolvenzantrag gestellt. Betroffen davon sind die Baumärkte der Marken Praktiker und Extra Bau+Hobby. Für die Kette Max Bahr und für die ausländischen Praktiker-Gesellschaften gilt der Insolvenzantrag nicht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.07.2013)