Asterix: Außerirdische erobern Gallien

Der neue Band. Mit Retro-Science-Fiction wird der US-Markt umgarnt - dennoch ein Lustgewinn.

Wenn Asterix und Obelix morgens durch den Wald wandern und lauter erstarrte Wildschweine vorfinden, ist mehr passiert, als dass die Römer spinnen. Seit Freitagmitternacht ist der neue Asterix-Band auf dem Markt. Ein Buchladen der Pariser Champs Elys©es enthüllte um 00.01 einen Stapel der 33. Ausgabe der Comic-Serie: "Gallien in Gefahr". Ist der neue Band ein Meilenstein? Eher nicht. Die Geschichte scheint angelehnt an frühe SciFi-Comics.

Eine gewaltige goldene Kugel - Referenz an den Hollywood-Film-Knaller Independence Day? - hängt über dem Dorf der unbesiegbaren Gallier. Die glauben, jetzt sei es so weit, dass ihnen der Himmel auf den Kopf fällt. Die Kugel ist ein Raumschiff. Ihm entsteigt ein Tadsylwine von hinter dem Mond. Er erlöst Natur und Menschen aus ihrer Erstarrung - und warnt die Gallier vor den bösen Nagmas, blechernen Ungeheuern. Tadsylwine wie Nagmas sind wegen der Wunderwaffe, des Zaubertranks, gekommen.

Die Römer wittern wieder einmal Morgenluft. Wenn die Ufos das widerborstige Dörfchen vernichten, sind sie endlich am Ziel. Doch, natürlich kommt alles anders . . .

Comics sind zwar Geschichten. Sie leben aber selten nur von der Handlung. So sind auch beim neuen Asterix die Dialoge die Stärke. Angesichts gewaltiger Raumschiffe, die mit Zischhh und Wrooahh über Köpfe donnern und sich in die Erde bohren, hat Obelix nur eine Sorge: Seine Wildschweine! Schockschwerenot! Obwohl die Fremden eigentlich nur heiße Hunde essen, muss er seine Notration für ein Festmahl opfern. Und die geklonten Superhelden, die Tadsylwine Tuun (sieht aus wie ein Mars-Männchen in Violett) mit sich führt, bringen, zur Jagd auf Schwarzwild ausgesandt, römische Legionäre. Auch der Zaubertrank wirkt bei den Außerirdischen nicht so wie bei den Irdischen. Miraculix muss Trank um Trank brauen, um die Aliens wieder zu kurieren.

Wie man sie wieder zurückschickt, wo sie hergekommen sind, das fällt natürlich wieder Asterix ein, und beim Schlussfest darf diesmal sogar der Barde trällern. Der Harry-Potter-Boom scheint auch die Vermarkter von Asterix inspiriert zu haben. "So ein Run war noch nie, und wir haben auch noch nie so wenige Exemplare bekommen, die gleich reserviert waren", meint eine Trafikantin. In 27 Ländern kam Asterix Nr. 33 gleichzeitig auf den Markt. Es war der erste Simultan-Start, eine Praxis, die auch bei Block-Buster-Filmen beliebt ist. Insgesamt wurden bisher 310 Millionen Asterix-Bände in 107 Sprachen, Dialekten verkauft. 1961 ist der erste Asterix-Band erschienen mit einer Startauflage von 6000 Stück. Acht Millionen beträgt die Startauflage des jüngsten Heftes, bis Weihnachten hofft man auf einen Umsatz von über 100 Mill. Â. Auch ein neuer Asterix-Film ist in Vorbereitung: "Asterix und die Wikinger" kommt 2006.

Was macht Asterix & Obelix so erfolgreich? Sie sind für alle da. Die Kinder lieben den kleinen Mann wegen seiner Schläue, Pfiffigkeit und Souveränität in jeder Lebenslage, der große Dicke repräsentiert den Beschützer. Das weibliche Element in "Asterix" ist eher konservativ gestaltet, wenn nicht gerade wie in Band 29 eine wild gewordene Bardin aus Lutetia (Paris) auftaucht und den braven Gallierinnen "Dschinn" (Jeans) und Feminismus aufdrängt. Das Macho-Wesen stört aber offenbar kaum, weil ohnedies viele Mädchen gerne mit den Buben ziehen. Die Erwachsenen lieben Asterix & Obelix wegen der gelungenen Satire. Asterix-Bände machen Geschichte lebendig, sie sind historisch durchaus authentisch, ein Asterix-Lexikon informiert über jede Figur.

R. Goscinny und A. Uderzo, die Namen der Erfinder von Asterix, stehen zwar auf dem Titelblatt von Band 33, Text und Zeichnungen aber sind vom 78-jährigen Albert Uderzo. Ren© Goscinny starb schon 1977.

Manche Fans meinen, Asterix sei seither in puncto Witz und Niveau nicht mehr derselbe. Interessant ist, dass Uderzo im neuen Band Walt Disney dankt, dem "berühmten, wundervollen Druiden, der es mir erlaubt hat, in einen Kessel mit Zaubertrank zu fallen, dessen Geheimnis er allein kannte". In einem Interview sagt Uderzo, der US-Markt blieb Asterix bisher verschlossen: "Ich weiß nicht, warum." Vielleicht hofft man, dies nun zu ändern? Ob dafür allerdings eine Huldigung an Disney und Retro-SciFi reichen wird, darf lebhaft bezweifelt werden.


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