Akademie der bildenden Künste. Rektor Stephan Schmidt-Wulffen in Turbulenzen.
Kunstausbildung, aber wie? Über diese Frage wird an der Wiener Kunstakademie seit langem gestrit ten. Ein Konflikt, der sämtliche Reformen der letzten Jahre überstand. Nun ist der aus Deutschland stammende Rektor Stephan Schmidt-Wulffen dran. Heute, Donnerstag, berät der Akademie-Senat (22 Personen, Professoren, Mittelbau, Studenten) über einen Misstrauensantrag gegen Schmidt-Wulffen. Wird der Antrag mit einfacher Mehrheit beschlossen, kommt er vor den Universitätsrat, der ihn mit einfacher Mehrheit annehmen kann. Dann könnte es zu einer Abberufung des Rektors kommen.
Es geht um Sachfragen, aber auch um Mentalitätsunterschiede. Konkret: Die Einführung von Bakkalaureat (Grundstudium) und Magisterium, womit das Meisterschul-System weiter geschwächt würde; ferner um die Aufgabe des Textilen Gestaltens; und um die Auslagerung des Kupferstichkabinetts in die Albertina. "Schmidt-Wulffen agiert, wie es in Deutschland üblich sein mag, aber nicht bei uns", heißt es im Ministerium. In den meisten Sachfragen aber unterstützt man den Rektor. Allerdings sei die Akademie autonom, sie könnte den Rektor selbstständig absetzen. Abwarten und Tee trinken ist die Devise im Ministerium.
Schmidt-Wulffen sprach jüngst zur "Presse" von Finanzproblemen des Instituts und von der Gefahr seiner Abberufung für den Fall, dass man die Schwierigkeiten nicht in den Griff bekäme. Für die Auflösung des Bereichs Textiles Gestalten, nach Ansicht vieler ein Randbereich der Ausbildung, hat Schmidt-Wulffen ein Gutachten des Ministeriums, das seinen Kurs befürwortet. Vorausgesetzt, die jetzigen Studenten können ihr Studium noch vollenden. Bereits ab Herbst sollen keine mehr aufgenommen werden. Weiters will Schmidt-Wulffen den Akademiehof vermieten und das dort ansässige Kupferstichkabinett in der Albertina lagern. Die Kosten für die Akademiegalerie, eine Bundessammlung, sollte längerfristig das Ministerium übernehmen.
Der Misstrauensantrag gegen den Rektor wurde bereits bei der letzten Senatssitzung betrieben, ein Beschluss vertagt. Die SPÖ kritisiert in einer parlamentarischen Anfrage an Ministerin Gehrer die Auflösung des Textilen Gestaltens, die Finanzprobleme und einen heiklen Fall: Die frühere Akademiedirektorin, eine hoch qualifizierte Juristin, sei seit 17 Monaten bei vollen Bezügen (bisher 51.900 Â) freigestellt. Aus der Akademie heißt es dazu, die Stelle gebe es nicht mehr, man habe der Direktorin aber keinen gleichwertigen Posten anbieten können. Eine Beendigung des Dienstverhältnisses sei erst im Jänner 2006 möglich.