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Staatsanwaltschaft friert Konten von Vatikan-Priester ein

Staatsanwaltschaft friert Konten VatikanPriester
Staatsanwaltschaft friert Konten VatikanPriester(c) EPA (ALESSANDRO DI MEO)
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Der wegen Verdachts auf Korruption inhaftierte Prälat Nunzio Scarano soll versucht haben, Geld zu schmuggeln.

Vatikanstadt/Ag./Red. Die vatikanische Staatsanwaltschaft hat die Konten des in Italien wegen des Verdachts auf Korruption inhaftierten Prälaten Nunzio Scarano bei der Vatikanbank IOR eingefroren. Die Maßnahme sei im Rahmen der Untersuchungen der vatikanischen Finanzaufsicht AIF gegen verdächtige Transaktionen und Kontobewegungen erfolgt, heißt es in einer Erklärung von Vatikansprecher Federico Lombardi vom Freitag. Die Untersuchungen der vatikanischen Justiz könnten auch auf andere Personen ausgeweitet werden, fügte der Sprecher hinzu.

Die italienische Justiz wirft Scarano, bislang Rechnungsprüfer der vatikanischen Güterverwaltung APSA, vor, an einer geplanten, aber letztlich geplatzten Überführung von 20 Millionen Euro Bargeld aus der Schweiz nach Italien beteiligt gewesen zu sein. Der süditalienische Priester, der nach Angaben seiner Anwälte „uneigennützig und aus dem Geist der Freundschaft“ gehandelt habe, soll dafür einem ehemaligen Geheimdienstmitarbeiter 400.000 Euro gezahlt haben. Es soll sich um Geld der mit Scarano befreundeten Reederfamilie D'Amico aus der gemeinsamen süditalienischen Heimat Salerno handeln.

Das IOR habe die renommierte Beratungsfirma Promontory mit einer Überprüfung der entsprechenden IOR-Konten beauftragt, so Lombardi. Die Firma arbeite mit den Behörden zusammen, um Licht in den Fall zu bringen. Derzeit überprüfe das IOR mit Unterstützung von Promontory alle Beziehungen zu seinen Kunden sowie die Maßnahmen gegen Geldwäsche. Gleichzeitig wolle das IOR bis Ende 2013 die eigenen Strukturen und Prozeduren verbessern. Lombardi verwies auf die Ankündigung von IOR-Präsident Ernst von Freyberg, der eine „Null-Toleranz“-Politik gegenüber allen illegalen Aktivitäten angekündigt hatte, egal ob sie von Laien oder von Geistlichen verübt würden.

 

Spitze der Bank bereits zurückgetreten

Nach zahlreichen Skandalen hatte Papst Franziskus Ende Juni angekündigt, die Vatikanbank stärker zu kontrollieren. Anfang Juli gab der Vatikan bekannt, dass Paolo Cipriani und Massimo Tulli, der Generaldirektor sowie sein Stellvertreter der Vatikanbank zurückgetreten sind. Beide standen in einer seit 2010 laufenden Geldwäsche-Untersuchung gegen die Bank auf der Liste der Verdächtigen. Sie sollen über die Machenschaften von Nunzio Scarano zumindest teilweise Bescheid gewusst haben. Dieser hat bereits zugegeben, dass er die besagten 20 Millionen Euro von einer Luganeser UBS-Filiale auf ein Konto der Vatikanbank schleusen wollte.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Vatikanbank in dubiose Finanzgeschäfte verwickelt ist. Roberto Calvi, der „Bankier Gottes“, der 1982 ermordet wurde, hatte bereits in den 1970er-Jahren über Konten des IOR Mafiagelder gewaschen. Die meisten der rund 30.000 Konten bei der Bank lauten auf Prälaten, Priester, Nonnen oder religiöse Gemeinschaften. Das wird von Kriminellen gerne ausgenutzt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.07.2013)