Eine kleiner "Dorfklub" entdeckt die große Bundesliga

Eine kleiner Dorfklub entdeckt
Eine kleiner Dorfklub entdeckt(c) GEPA pictures (GEPA pictures/ Hans Simonlehner)
  • Drucken

Knapp neben der A10-Tauernautobahn rollen die Bagger, werden Tribünen und Zufahrtsstraßen zu einem kleinen Fußballstadion gebaut: Aufsteiger Grödig macht sich gerade noch rechtzeitig fit für das Abenteuer Bundesliga.

In Grödig, einer Marktgemeinde am Fuße des Salzburger Untersberges mit 7008 Einwohnern, grassiert das Fußballfieber. Es war für viele kaum vorstellbar, dass es der Spielvereinigung tatsächlich gelingen würde, irgendwann in der Bundesliga zu spielen. Zu Heimspielen kamen vergangene Saison im Durchschnitt 899 Zuschauer, es waren Insider, Anwohner oder Familienangehörige. Auch war für manche die Zufahrt zur Untersberg-Arena das größte Hindernis – das Stadion war von der Abfahrt der Tauernautobahn zu sehen, aber nicht direkt zu erreichen.

Umwege nahmen Fans und die Familie Haas für den Fußball schon immer in Kauf. Anton Haas war einst im Vorstand von Austria Salzburg. 1997 verabschiedete er sich nach dem Meistertitel und widmete sich dem Heimatverein seines Sohnes Christian. Der Besitzer eines Schrottunternehmens investierte, der Aufstieg aus der 1. Klasse Nord gelang schnell. Es folgten Höhen in der Ersten Liga, ein Abstieg, der direkte Wiederaufstieg. Vergangene Saison aber gelang endgültig der Durchbruch. Trainer Adi Hütter führte den „Dorfklub“ in das Oberhaus. „Schau'n S' her“, stoppt Anton Haas das Gespräch jäh. „Dorfklub, das ist nicht lustig. Das höre ich nicht so gern. Wir sind ein kleiner Klub, ja, aber wir sind jetzt ganz oben dabei. Und das hat doch seine Gründe.“

Die Gründe sind gehaltvoll. Jedoch wurzelt der Aufstieg für Haas, der sich „nicht als Mäzen, sondern als Fan“ versteht und als „Ehrenpräsident“ auf der Tribüne Platz nimmt, in der Arbeit des Trainers, dem Zutun des Umfeldes. „Und was können wir dafür, dass alle anderen, vor allem Lustenau, geschwächelt haben? Jetzt sind wir oben und wollen auch oben bleiben.“


Wals? Niemals! Sein Schrottunternehmen ist keineswegs mit dem Milliardenkonzern Red Bull zu vergleichen, daher ist für alle Grödiger klar, wer die Nummer eins in Salzburg bleiben wird. Auch für Besucher der Untersberg-Arena wird der Unterschied schnell deutlich. Die Zufahrt wurde eben erst neu asphaltiert, Bagger rollten seit vergangenem Dienstag rund um das Stadion, auch der Begrenzungszaun und der Parkplatz wurden frisch abgesteckt.

Die nach dem Aufstieg kurzerhand aufgetauchte, für Haas vollkommen absurde Idee, Grödig-Spiele in der Bullen-Arena in Wals-Siezenheim auszutragen, wurde im ganzen Klub sofort abgelehnt. 20.000 Euro Miete pro Spiel, dazu ein fremdes Areal. Sportdirektor Christian Haas winkte empört ab. „Wir brauchen doch unseren Heimvorteil! Wir sind ein Klub zum Angreifen – und der bleiben wir auch.“

Nun steht das eigene Projekt. An Spieltagen sichert ein „temporärer Kreisverkehr“ die direkte Zufahrt, Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) steuerte dafür 150.000 Euro bei. Stolz schildert Haas jr. den Plan, wie den Zuschauern ein noch besseres Erlebnis der Untersberg-Arena zuteil werden soll. Erneut fällt aber der Begriff „temporär“: Alle neu aufgestellten Tribünen sind gemietet. Die Haupttribüne wird um 330 Sitzplätze erweitert, hinter dem Tor finden 756 Zuschauer Platz, im Gästeblock jedoch nur 500. „4128 Zuschauer haben bei uns Platz“, sagt der Sportdirektor. Im extra aufgestellten doppelstöckigen VIP-Container werden 400 Personen lokale Spezialitäten gereicht.


Keine Altstars. Über Geld spricht die Familie Haas nicht. Das Budget wisse man noch nicht, der Preis des Umbaus sei offen. Auch sei der Kader nicht vollständig. Ein Tormann (Königshofer, Rapid?) und ein Stürmer werden gesucht. Aber es fehlen, wie bei Neuankömmlingen im Oberhaus üblich, bekannte, in die Jahre gekommene Profis. „Trainer Hütter will keine abgetakelten Altstars“, sagt Haas. „Wir wollen als junge Mannschaft überzeugen.“

Ob mit ihnen der Klassenerhalt gelingen wird, ist allerdings fraglich. Vorerst wurden nur Tormann Stanković (Horn), Abwehrspieler Karner (Ried), die Mittelfeldakteure Huspek (BW Linz) und Boller (Austria Lustenau) oder die Stürmer Elsneg (Kapfenberg) und Zulechner (Horn) verpflichtet. Der Familie Haas ist die Verwunderung anderer über diese (sparsame) Kaderplanung egal. „Wir wurden schon vor zehn Jahren für verrückt erklärt, als wir von der Bundesliga geträumt haben. Wir bleiben ein gesunder Klub.“

Für die Grödiger beginnt das Abenteuer Bundesliga am 20.Juli mit dem Heimspiel gegen Ried. Bis dahin sei alles fertig, verspricht Haas. Für manch alteingesessenen Fan sind es gewaltige Veränderungen. Bierbänke wird es beim „Dorfklub“ nicht mehr geben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.07.2013)

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.