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Kamala Thai Imbiss

Kamala Thai Imbiss
Kamala Thai ImbissErich Kocina
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Andere mögen auf Urlaub fahren, für die Dagebliebenen findet sich sicher auch etwas. Ein bisschen Thai-Küche im Kamala Thai-Imbiss, zum Beispiel.

Es gibt zwei Möglichkeiten, um auf den Kamala Thai-Imbiss aufmerksam zu werden. Wobei die erste eher so etwas wie ein journalistischer Brancheninsider ist – nämlich die Kollegin einer Wiener Stadtzeitung, die auf ihrer Facebook-Seite immer wieder Fotos der hier servierten Gerichte postet. Die zweite ist die markante rote Fassade, die beim Spaziergang durch die Leopoldstadt automatisch die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Wie auch immer, irgendwann steht man dann also tatsächlich vor dem kleinen Lokal (Hollandstraße 7, 1020 Wien, ✆01/212 44 61, Mo–Fr 10–21 Uhr) und gibt ihm eine Chance. So viel vorweg: Wenn irgendwie möglich, sollte man versuchen, einen der sechs Sitzplätze an einem der drei Tische vor dem Eingang zu ergattern. Dann hat man nämlich erstens einen wunderbaren Blick auf das Treiben zwischen Donaukanal und Karmelitermarkt, auf den Koscher-Supermarkt gegenüber und auf die hübschen Gründerzeithäuser der Umgebung. Und zweitens fällt dann nicht so sehr auf, dass das Lokal zu einem guten Teil vom Take-Away-Geschäft lebt – innen wirkt es nämlich eher wie eine Abholstation denn wie ein Restaurant.

Womit wir zum eigentlich interessanten Punkt kommen, nämlich zum Essen. Und das hat durchaus Niveau. Von sehr würzigem Som Tam Thai (Grüner Papayasalat, 4,80 €) über Pad Thai (gebratene Reisnudeln, 8,80 €) bis zum recht kokosmilchlastigen Grünen Thai-Curry (8,80 €) – das kann schon was. Das Phad Krapow Gai (Gebratenes Hühnerfleisch mit frittiertem Thai-Basilikum, 9,80€) sollte man angeblich versuchen, verrät die Mundpropaganda – sehr scharf. Allein, beim Testbesuch gab es nur ein Kopfschütteln hinter der Theke. Nichts mehr da. Was abgesehen davon auffällt: Die Gerichte sind schon etwas europäisiert. Während etwa im Sri Thai-Imbiss (Baumgasse 18/1, 1030 Wien, ✆0676/707 92 96, Mo–Sa 18–21, Di, Mi u. Do auch 12–15 Uhr) diverse Gemüsesorten und Früchte verwendet werden, die sich auf Wiener Märkten nur mit großer Mühe entdecken lassen, tut es im Kamala auch schon einmal ein Paprika im Curry. Allerdings ist es bei Frau Sri im Dritten halt auch um einiges teurer.

Eine Gemeinsamkeit haben die beiden Lokale dann aber doch: Wer auf die Toilette gehen will, muss sich an der Theke einen Schlüssel besorgen und dann durch den benachbarten Hauseingang verschwinden. Was gerade im Fall Kamala durchaus einen Ausflug wert ist, denn der Innenhof mit viel Grün und einer kleinen Holzhütte ist absolut sehenswert. Nein, mit Thailand hat das nichts zu tun, eher mit Wiener Hinterhofkultur. Aber dafür spart man sich auch einen Langstreckenflug.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.07.2013)