Michael Neff: "Einsammeln und Spaß haben"

Michael Neff Einsammeln Spass
Michael Neff Einsammeln Spass(c) Erwin Wodicka - wodicka@aon.at
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Amazon will im Herbst in den Kunstmarkt einsteigen. Der Frankfurter Galerist Michael Neff startet mit einer intimen Gegenoffensive für Jungsammler.

Es ist nicht so, dass es bisher keine Möglichkeit gegeben hätte, Kunst online zu erwerben. Im Gegenteil, artspace heißt die führende Seite für den US-amerikanischen Markt, artnet für den deutschsprachigen, artport für den österreichischen. Es gibt Galeristen wie Ernst Hilger, auf dessen Website sogar das Einkaufswagensymbol für Onlineshopping zu finden ist. Doch nachdem die Nachricht durchgesickert ist, dass Amazon heuer noch eine Fine Art Gallery starten will, ist klar – Kunstsammeln war noch nie so einfach wie heute. „Damit werden jetzt die letzten Winkel erreicht“, freut sich etwa Hilger, der online zwar keine großen Summen umsetzt, die Möglichkeit als Marketingtool aber sehr schätzt. Allein über die Bilder, die er auf Facebook stelle, kämen viele Leute in seine Galerie.

Von Amazon nach einer Teilnahme gefragt wurde er bisher noch nicht, genauso wenig wie das Dorotheum oder Großhändler Ropac. Die 125 Galerien, die Amazon angesprochen haben soll – das Unternehmen selbst gibt dazu keine Auskunft –, seien bisher kleinere Galerien in den USA, heißt es. Laut US-Branchenblatt „The Artnewspaper“ hätten 109 bereits zugesagt, Werke hier zu verkaufen und eine Kommission von fünf bis 15 Prozent des Preises an Amazon abzugeben. Mit rund 1000 Kunstwerken habe Amazon vor, die neue Sparte zu eröffnen.

Was für Kunst das sein wird, darauf darf man gespannt sein. Die bisherigen Erfahrungen deuten eher auf ein niedrigpreisiges Angebot hin, auf Drucke und Editionen. Größere Galeristenhoffnungen wurden online bisher enttäuscht, denkt man etwa an die erste Online-Kunstmesse VIP Artfair, die 2011 mit 100 Topgalerien und einem Servercrash startete, es 2012 noch einmal versuchte, 2013 aber schon mit der US-Plattform artspace fusionierte.

Neue Plattform für junge Sammler. Im qualitativ hochwertigen Zeitgenossenbereich bleiben wohl kleinere Initiativen wie die vom deutschen Galeristen Michael Neff spannender. Im Herbst startet er die Seite www.mietestromgas.de, mit der potenzielle junge Sammler abgeholt werden sollen, die wenig Zeit und vielleicht bisher auch Scheu haben vor dem Wesen namens Galerie. Der ungewöhnliche Name zitiert übrigens die erste Einzelausstellung des verstorbenen deutschen Konzeptkünstlers Martin Kippenberger, die 1986 „für viele unserer Generation ein Einstieg war“, so Neff. Alle zwei Wochen will er auf der Seite je drei Editionen zwischen 500 und 3000 Euro anbieten, auf deren Qualität man sich verlassen können soll. „Der Unterschied zu anderen Online-Plattformen ist, dass hier nur angeboten wird, was ich selbst auch kaufen würde. Es geht ums Einsammeln und Spaßhaben.“ Dazu wird er mit mehreren Galerien „aus seinem Umfeld“ zusammenarbeiten, was auch auf einige Wiener Namen in Schleifmühl- und Eschenbachgasse hinweisen würde.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.07.2013)

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