Strauss-Kahn wird Aufsichtsrat bei russischer Bank
Former International Monetary Fund chief Dominique Strauss-Kahn attends a French Senate commission inquiry on the role of banks in tax evasion in ParisReuters
Nachdem ihm sexuelle Belästigung vorgeworfen wurde, musste der frühere IWF-Chef zurücktreten. Nun wird er Aufsichtsrat bei einer Rosneft-Tochter.
Gut zwei Jahre nach seinem Rücktritt als IWF-Chef wechselt Dominique Strauss-Kahn in den Aufsichtsrat einer Tochter des russischen Ölproduzenten Rosneft. Wie aus einer Mitteilung an Aufsichtsbehörden hervorgeht, bekommt der 64-Jährige einen Sitz bei der Russian Regional Development Bank. Das Institut ist eine Tochter der staatlichen Rosneft, die gemessen an der Produktion der größte Ölkonzern der Welt ist.
Strauss-Kahn trat im Jahr 2011 von der Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF) zurück, nachdem er wegen mutmaßlicher sexueller Belästigung eines Zimmermädchens in New York festgenommen worden war. Strauss-Kahn erklärte, der Sex mit ihr sei einvernehmlich gewesen. Sie einigten sich letztlich vor einem Zivilgericht.
14. Mai 2011: IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn, der mächtigste Banker der Welt, wird kurz vor seinem Abflug nach Paris in New York wegen versuchter Vergewaltigung festgenommen. Andrew Gombert
15. Mai: Das Opfer, ein 32 jähriges Zimmermädchen im New Yorker Luxushotel Sofitel, identifiziert Strauss-Kahn als Täter. Der zu dem Zeitpunkt der Festnahme noch amtierende Chef des internationalen Währungsfonds musste daraufhin in Untersuchungshaft. HO
17. Mai: Ein Angebot der Anwälte von Strauss-Kahn für eine Kaution von einer Million Dollar freizukommen, wird abgelehnt. Die New Yorker Staatsanwaltschaft legt Strauss-Kahn sechs Straftaten zur Last, darunter versuchte Vergewaltigung und sexuellen Mißbrauch. Allison Joyce
17. Mai: Strauss-Kahn soll nach Angaben eines New Yorker Boulevardblattes die Möglichkeit von "einvernehmlichen Sex" eingeräumt haben. Er genießt keine diplomatische Immunität. In seiner Zelle im gefürchteten New Yorker Gefängnis auf Rikers Island bleibt der IWF-Chef wegen angeblicher Selbstmordgefahr rund um die Uhr in Beobachtung. Louis Lanzano
18. Mai: Der Druck auf Strauss-Kahn als IWF-Chef wird immer größer. US-Finanzminister Timothy Geithner fordert eine Übergangslösung für die Führung des Internationalen Währungsfonds. Das mutmaßliche Opfer sagt überraschend vor einer Grand Jury aus. Diese ist die maßgebliche Instanz, ob es zu einem Prozess gegen den Franzosen kommt. Richard Drew
19. Mai: Die Grand Jury bestätigt alle Anklagepunkte gegen Strauss-Kahn. Er zieht die Konsequenzen aus der Sex-Affäre und tritt als IWF-Chef zurück. Todd Heisler
20. Mai: Strauss-Kahn kommt gegen sechs Millionen Dollar Kaution frei. Er darf New York nicht verlassen und bekommt auch eine elektronische Fußfessel. Eine Sicherheitsfirma bewacht den 62-Jährigen auf Schritt und Tritt und seine Reisepässe werden ebenfalls einbehalten. David Karp
6. Juni: Der Angeklagte erklärt sich vor einem New Yorker Gericht in allen Anklagepunkten für "nicht schuldig". Lucas Jackson
1. Juli: Überraschende Wende in der Causa: Strauss-Kahn wird aus seinem Hausarrest entlassen, da die Staatsanwaltschaft Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Zimmermädchens bekommen hat. So soll die 32-Jährige mit einem inhaftierten Freund über die Möglichkeit gesprochen haben, sich an dem Fall finanziell zu bereichern. John Minchillo
4. Juli: Die französische Publizistin Tristane Banon reicht gegen Strauss-Kahn eine Klage wegen versuchter Vergewaltigung ein. Zu der Tat sei es im Februar 2003 während eines Interviews gekommen. Strauss-Kahn kündigt umgehend rechtliche Schritte wegen falscher Anschuldigungen an. PHILIPPE WOJAZER
25. Juli: In Interviews für "Newsweek" und beim TV-Sender ABC geht das Zimmermädchen in die Öffentlichkeit. Unter ihrem vollen Namen erzählt Nafissatou Diallo ihre Version der Geschichte. Dabei bleibt die 32-Jährige dabei, dass der damalige IWF-Chef sie angegriffen und zum Oralsex gezwungen habe. HO
9. August: Das New Yorker Zimmermädchen verklagt Strauss-Kahn zivilrechtlich wegen versuchter Vergewaltigung und verlangt Schadenersatz. Nach New Yorker Recht kann die Klage auch dann erfolgreich sein, wenn Strauss-Kahn strafrechtlich nicht verurteilt wird. Seth Wenig
22. August: Staatsanwalt Cyrus Vance bittet das Zimmermädchen und ihren Anwalt Kenneth Thompson zu einem Gespräch- keine 24 Stunden vor dem nächsten Gerichtstermin. Danach teilt Thompson mit, dass die Staatsanwaltschaft ihre Anklage aufgrund nachweislich unglaubwürdiger Aussagen des Zimmermädchens zurückziehe. Robert Mecea