Kremsmünster: Ermittlungen wegen Wiederbetätigung

Kremsmünster: Ermittlungen wegen Wiederbetätigung
Der Ex-Pater vor GerichtAPA/HANNES MARKOVSKY

Im Missbrauchsprozess gegen einen Ex-Pater wurde auch ein Anzeige wegen NS-Wiederbetätigung eingebracht. Dieser wird nun nachgegangen.

Gegen den ehemaligen Konviktsdirektor des oberösterreichischen Stiftsgymnasiums Kremsmünster wird nun auch wegen des Verdachts auf Wiederbetätigung ermittelt. Der heute 79-Jährige wurde Anfang Juli, wie berichtet, wegen schweren Missbrauchs ehemaliger Zöglinge zu einer Haftstrafe verurteilt. Die Anwälte der Opfer haben bereits während des Prozesses eine Sachverhaltsdarstellung wegen der Wiederbetätigungsvorwürfe eingebracht, worauf die Staatsanwaltschaft Steyr nun ein Ermittlungsverfahren eingeleitet hat. Die Vorwürfe richten sich in erster Linie gegen den verurteilten ehemaligen Ordensmann sowie gegen unbekannte Täter.

In der Sachverhaltsdarstellung geht es um Äußerungen, die der heute 79-Jährige gegenüber Zöglingen gemacht haben soll wie "Ich hol' die Pumpgun und erschieß dich, du Jud!" oder "Ihr seid lebensunwertes Leben, das auszumerzen ist". Zudem soll er immer wieder eine "Geheime Stiftspolizei" (GeStiPo) gegenüber den Schülern erwähnt oder Kinder als "Pimpfe" (Bezeichnung für Mitglieder der Hitlerjugend bzw. des "Deutschen Jungvolkes" in der NS-Zeit, Anm.) tituliert haben.

Angeblich SS-Dolch gezeigt

Zumindest einem Schüler soll der mittlerweile in den Laienstand zurückversetzte Geistliche einen SS-Dolch mit der Inschrift "Meine Ehre heißt Treue" gezeigt und ihm erklärt haben, dass das ein ganz besonderer Schwur sei. In dem Teil der Anzeige, die sich gegen unbekannte Täter richtet, geht es um den Vorwurf, dass im Stiftsinternat von Hakenkreuz-Tellern gegessen worden sei. Der Großteil dieser Beschuldigungen war bereits im Zuge eines Zivilverfahrens gegen das Stift, das immer noch anhängig ist, bekannt geworden.

Urteil gegen Ex-Pater nicht rechtskräftig

Das Urteil im Strafprozess wegen Missbrauchs ist noch nicht rechtskräftig. Die Verteidigung kündigte Berufung und Nichtigkeitsbeschwerde an, die Staatsanwaltschaft ergriff keine Rechtsmittel. Selbst wenn der Instanzenzug ausgeschöpft ist, bleibt offen, ob der Angeklagte eine eventuelle Haftstrafe antreten muss. Das hätte dann das Landesgericht Steyr zu entscheiden. Dem 79-Jährigen werden sexuelle und gewalttätige Übergriffe auf insgesamt 24 ehemalige Schüler vorgeworfen.

(APA)