Das krisengeplagte Institut verkauft sein milliardenschweres Hypotheken-Portfolio in Großbritannien an die US-Großbank Wells Fargo. Die Aktie legte zu.
Frankfurt/Reuters/Red. Die Commerzbank kommt beim Abbau ihrer Altlasten einen großen Schritt voran: Sie verkauft Reste der ehemaligen Hypothekentochter Eurohypo in Großbritannien an die US-Großbank Wells Fargo und den Finanzinvestor Lone Star. Dabei geht es um überwiegend gut laufende gewerbliche Immobilienkredite von fünf Mrd. Euro sowie das gesamte operative Geschäft auf der Insel. Es ist eine der größten Transaktionen, die der europäische Immobiliensektor seit der Finanzkrise gesehen hat.
Der gebeutelten Commerzbank-Aktie verlieh die Nachricht einen Schub: Das Papier lag zeitweise um mehr als vier Prozent im Plus. Schon zuvor war die Aktie größter Tagesgewinner im DAX, nachdem es am Wochenende in Medienberichten geheißen hatte, der Bund als Großaktionär sondiere erstmals konkrete Ausstiegsmöglichkeiten. Mit einem Minus von 42 Prozent seit Jahresbeginn ist die Commerzbank-Aktie bis dato aber noch immer der größte Verlierer im DAX.
Lange keine Bewegung im Markt
Vor einem Jahr hat sich das Institut entschlossen, komplett aus der kapitalzehrenden gewerblichen Immobilienfinanzierung auszusteigen und die Tochter Eurohypo (inzwischen Hypothekenbank Frankfurt) abzuwickeln. Sie wurde in die konzerneigene Bad Bank geschoben. Dort lagern nun Staatsanleihen und großvolumige Immobilienkredite, teils mit sehr langen Laufzeiten. Sie können entweder bis zur Fälligkeit gehalten oder bilanzschonend verkauft werden. Am kleinsten sind die Preisabschläge für gewöhnlich bei Darlehen, bei denen Zins und Tilgung bedient werden.
Bei dem Portfolio, das nun den Besitzer wechselt, ist das zum großen Teil der Fall. Entsprechend gering war der Abschlag, den Wells Fargo und Lone Star durchsetzen konnten: Er lag bei 3,5 Prozent. Lange Zeit hatte es in dem Markt, bedingt durch die Finanz- und Schuldenkrise, so gut wie keine Bewegung gegeben, weil die Preisvorstellungen von Käufern und Verkäufern zu weit auseinander lagen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.07.2013)